Schweinegrippe: Alle sind füreinander verantwortlich

Als wir im Juli mit dem Verkehrskommissär der EU, den EU-Verkehrsministern und ihrem riesigen Begleittross in Sedrun den Stollen des Gotthard-Basistunnels besucht haben war es ein Thema, und auch später beim Treffen der europäischen Energie- und Umweltminister in Schweden: das richtige Verhalten im Umgang mit der Schweinegrippe. Es ist eine schwierige Frage, denn es gibt ganz verschiedene Ansätze:
a) Die egoistische Betrachtungsweise:
Wer bei der Diskussion um Impfungen gegen die Schweinegrippe ausschliesslich an sich selber und nicht an andere denkt, hat es relativ einfach: Er kann wählen, welches Risiko er eingehen will.
1. Will er sowohl die jetzige (relativ harmlose) Grippe, die weltweit im Umlauf ist, in Kauf nehmen als auch diejenige, deren Virus zwar noch nicht existiert, mit dem aber gerechnet werden muss und dessen Auswirkungen sehr gefährlich sein können, dann impft er sich nicht. Und nimmt in Kauf dass er vielleicht jemanden mit erhöhtem Risiko, der sich aus medizinischen Gründen nicht impfen kann, ansteckt.
2. Will er die jetzige Schweinegrippe ziemlich sicher vermeiden und gleichzeitig der späteren gefährlicheren Schweingrippe wahrscheinlich entgehen, lässt er sich gegen die jetzige Schweinegrippe impfen, sobald dies möglich sein wird.
3. Will er aber gegen die spätere gefährliche Grippe höchstmöglichen Schutz, dann lässt er sich mit dem Virus der jetzigen Grippe willentlich anstecken, indem er zum Beispiel eine flueparty besucht oder Kontakt mit einem Kranken sucht.
b) Die Empfehlungen einer Behörde
müssen allerdings anderen Kriterien folgen. Sie muss dafür sorgen, dass möglichst wenig Menschen wegen der einfachen und der späteren schwereren Grippe gesundheitlichen Schaden nehmen. Für gewisse Bevölkerungsgruppen ist bereits die Ansteckung mit dem jetzigen Virus gefährlich, zum Beispiel für Kleinkinder, Schwangere oder chronisch Kranke. Und es gibt Menschen, die sich trotz aller Aufklärungsversuche über die Gefahren beider Grippearten nicht im Klaren sind. Ihnen gegenüber haben die Behörden politische Verantwortung zu übernehmen.
Zudem ist es für die Volkswirtschaft ein grosses Problem, wenn wegen einer Grippewelle die Arbeitswelt stillsteht, wenn Bahn-, Flug- und Telefongesellschaften und sämtliche Amtsstellen den Betrieb einschränken müssen, weil das Personal krank ist.
Es liegt deshalb im öffentlichen Interesse, dass möglichst wenig Menschen an Grippe erkranken. Deswegen die Empfehlung, die Hände oft zu waschen und bei einer Ansteckung zu Hause zu bleiben.
c) Auch der verantwortungsvolle Bürger
muss diese politischen Kriterien in seinen Entscheid einbeziehen. Sein Verhalten hat Folgen für andere Menschen. Sie können erkranken, ja sie können an der Grippe sterben. Auch alle übrigen Folgen einer Epidemie für das öffentliche und private Leben kann ein verantwortungsvoller Bürger nicht ignorieren. In einigen Wochen wird der Impfstoff verfügbar sein. Dann sollte jedermann die Empfehlung, sich impfen zu lassen, unbedingt befolgen.
Denn jeder und jede ist für jeden und jede verantwortlich.
Womit wir wieder beim Grundthema meines letzen Beitrages über die Küsnachter Schüler in München wären.
Bis bald
Moritz Leuenberger











