[Version française D’une inauguration à l’autre]

Die Session ist also fulminant gestartet und die Formel-1-Rennen sollen in der Schweiz wieder zugelassen werden. Bevor ich allerdings eine Startfahne zum ersten grossen Preis der Schweiz schwenken werde, weihe ich vorher noch einige andere grosse Projekte ein:

Den TGV von Basel nach Paris und die Nordtangente, also die Stadtautobahn nach Deutschland und Frankreich, eröffnete ich letzten Samstag (siehe "Die ausgegrabene Autobahn"). Unterdessen rast der TGV bereits täglich mit 300km/h zwischen den beiden Weltstädten hin und her, mit jener Geschwindigkeit also, mit der ein Sauber-BMW in eine Leitplanke fuhr. Der Nervenkitzel ist sicher für viele Zuschauer auch ein Motiv, diese Sportart derart zu lieben.

Diese Woche zeige ich den Verkehrsministern aus ganz Europa zudem die Baustelle des Gotthardtunnels, weihe tags darauf den Lötschberg ein und bin dann an der Eröffnung der Betuwelinie in Holland - zugegen. Die Betuwelinie ist eine Eisenbahnlinie ausschliesslich für den Güterverkehr, welche Rotterdam mit der deutschen Grenze verbindet. Es ist also eine Art „Gegenstück“ des Lötschbergs im Norden.

Die Eröffnungsfeiern solcher Infrastrukturbauten sind politische Rituale. Es sind immer viele Medien präsent, und Reden an einer Autobahn- oder Tunneleröffnung haben ein viel grösseres Publikum als der Auftritt in einer Universität oder einer Schule. Schon lange benutze ich solche Reden deshalb auch dafür, ganz grundsätzliche Gedanken zu formulieren, wie etwa in derjenigen in Grenchen zur Eröffnung der A5 am 18. April 2002 „Von Zugvögeln, Wildschweinen und Angsthasen“, wo ich den Grundgedanken von Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ thematisierte. Vor der Eröffnungsfeier eines solchen Bauwerkes gibt es fast regelmässig auch Demonstrationen. Auch letzten Samstag übergab mir die Gewerkschaft Unia einen Brief, in dem sie sich über die Verhandlungen über ihren Gesamtarbeitsvertrag besorgt zeigten. An anderen Orten sind es Demonstrationen gegen die Schliessung eines Postbüros oder für eine Umfahrungsstrasse oder für weitere Tunnels. Ich habe diese Art von Gespräch mit Betroffenen sehr schätzen gelernt und finde, sie gehören zu unserer Demokratie und der Ausdruck „Ritual“ soll niemals negativ gemeint sein. Über die Symbolik der eigentlichen Feiern könnte eine ethnologische Dissertation geschrieben werden. Sehr oft treten Blasmusiken auf, manchmal alternative Künstlertruppen. In Holland ist mit Güterzügen ein Ballett auf den Gleisen inszeniert worden, das die Geburt der Europa darstellte und in Luzern ist das menschliche Leben in einem grossartigen Theaterstück mit Automobilen, Blondinen und Kranen aufgeführt worden. Regisseur für solche Eröffnungen zu sein, ist eine kulturell anspruchsvolle Aufgabe, die grösste mediale Beachtung findet. Auch die Fussballeuro 08 hat ja schon eine kleine Einweihung hinter sich: Auf dem Aletschgletscher wurde ein Fussballfeld platziert, auf welchem dann auch Fussball gespielt wurde. Na, ja! Solange das erste Formel-1-Rennen nicht auch auf einem Gletscher eröffnet wird, kann man den Rasen auf dem Jungfraujoch gerade noch akzeptieren, wie das die lokalen Umweltverbände ja auch taten. Hoffentlich ist der Rasen auf dem Gletscher nicht einfach den Folgen der Klimaveränderung ein paar Jahre voraus…

Bis zum nächsten Mal

Moritz Leuenberger