Politik kann Berge versetzen
[Version française: La politique peut soulever des montagnes]

Die Teufelsbrücke, 1824, Aquarell von Peter Birmann (Bildquelle: Wikimedia)
Das dichte Programm Genua – Berlin – Leipzig von letzter Woche hatte trotz der verschiedenen Themata Gemeinsamkeiten: In Genua ging es um die Bahnverbindung Rotterdam – Genua, eine der Nord – Südverbindungen auf der Schiene. Um diese effizient und konkurrenzfähig zur Strasse zu betreiben, müssen bürokratische und technische Hindernisse zwischen den einzelnen Ländern abgebaut und harmonisiert werden (Zollformalitäten, Informatiksysteme, gegenseitige Anerkennung von Ausweisen, von Lokführern, zum Beispiel). 2001 schloss ich mit der damaligen holländischen Verkehrsministerin auf der NEAT-Baustelle eine Vereinbarung ab, der sich dann Deutschland und Italien anschlossen. In der Zwischenzeit ist sehr viel passiert, doch bedurfte es einer neuen Zusammenkunft, um diese Harmonisierung weiter voranzutreiben. Zentral bleiben natürlich die Infrastrukturen selber. Da steht ausser jedem Zweifel, dass die Schweiz Pionierarbeit leistet. Bei den anderen wichtigen Nord-Süd-Verbindungen, Lyon-Turin und Brennerbasistunnel, wird wohl auf Jahre hinaus nichts Konkretes sichtbar werden. Demgegenüber ist der Lötschbergtunnel in Betrieb, und in wenigen Tagen können wir den vorletzten Durchstich am Gotthardbasistunnel feiern. Dass die Schweiz hier tatsächlich vorangegangen ist und ihr Programm termingerecht durchziehen kann, lobten meine Verkehrsministerkollegen in Genua mit aufrichtiger Bewunderung als verlässlichen Beweis für unseren Beitrag zum europäischen Infrastrukturnetz der Bahnen.
In Berlin wollte der Umweltausschuss des Bundestages wissen, wie wir den Standort des Tiefenlagers für nukleare Abfälle auswählen und ihn für eine Volksabstimmung mehrheitsfähig machen. Gleichzeitig interessierte natürlich, wie die deutsche Seite in diese Standortwahl einbezogen wird. Umweltminister Siegmar Gabriel pries unser Modell als Ausweg für die verfahrene Situation in Gorleben und als Modell für Deutschland.
In Leipzig schliesslich wurde die Schweiz auf vielen Podien und in manchen Voten und Reden für ihre Verlagerungspolitik beinahe enthusiastisch gelobt. Die LSVA und die Finanzierung unserer grossen Infrastrukturen wurden als modellhaft gepriesen.
Daraus ziehe ich drei Schlüsse:

Die Teufelsbrücke, 1824, Aquarell von Peter Birmann (Bildquelle: Wikimedia)
Das dichte Programm Genua – Berlin – Leipzig von letzter Woche hatte trotz der verschiedenen Themata Gemeinsamkeiten: In Genua ging es um die Bahnverbindung Rotterdam – Genua, eine der Nord – Südverbindungen auf der Schiene. Um diese effizient und konkurrenzfähig zur Strasse zu betreiben, müssen bürokratische und technische Hindernisse zwischen den einzelnen Ländern abgebaut und harmonisiert werden (Zollformalitäten, Informatiksysteme, gegenseitige Anerkennung von Ausweisen, von Lokführern, zum Beispiel). 2001 schloss ich mit der damaligen holländischen Verkehrsministerin auf der NEAT-Baustelle eine Vereinbarung ab, der sich dann Deutschland und Italien anschlossen. In der Zwischenzeit ist sehr viel passiert, doch bedurfte es einer neuen Zusammenkunft, um diese Harmonisierung weiter voranzutreiben. Zentral bleiben natürlich die Infrastrukturen selber. Da steht ausser jedem Zweifel, dass die Schweiz Pionierarbeit leistet. Bei den anderen wichtigen Nord-Süd-Verbindungen, Lyon-Turin und Brennerbasistunnel, wird wohl auf Jahre hinaus nichts Konkretes sichtbar werden. Demgegenüber ist der Lötschbergtunnel in Betrieb, und in wenigen Tagen können wir den vorletzten Durchstich am Gotthardbasistunnel feiern. Dass die Schweiz hier tatsächlich vorangegangen ist und ihr Programm termingerecht durchziehen kann, lobten meine Verkehrsministerkollegen in Genua mit aufrichtiger Bewunderung als verlässlichen Beweis für unseren Beitrag zum europäischen Infrastrukturnetz der Bahnen.
In Berlin wollte der Umweltausschuss des Bundestages wissen, wie wir den Standort des Tiefenlagers für nukleare Abfälle auswählen und ihn für eine Volksabstimmung mehrheitsfähig machen. Gleichzeitig interessierte natürlich, wie die deutsche Seite in diese Standortwahl einbezogen wird. Umweltminister Siegmar Gabriel pries unser Modell als Ausweg für die verfahrene Situation in Gorleben und als Modell für Deutschland.
In Leipzig schliesslich wurde die Schweiz auf vielen Podien und in manchen Voten und Reden für ihre Verlagerungspolitik beinahe enthusiastisch gelobt. Die LSVA und die Finanzierung unserer grossen Infrastrukturen wurden als modellhaft gepriesen.
Daraus ziehe ich drei Schlüsse:
- Die Politik der Schweiz wird im Ausland als Pionierarbeit, als innovativ und als nachhaltig wahrgenommen.
- Die Schweiz gestaltet Europa mit, obwohl sie nicht Mitglied der EU ist, und dies wird von unseren Nachbarn sehr geschätzt. Diese Tatsache darf und soll den Vorwürfen parasitärer Steuer- und Finanzpolitik entgegenhalten werden.
- Nicht nur wir bewegen uns, sondern auch unsere Nachbarn: Die Entschlossenheit, mit der der EU-Kommissar die Verlagerungspolitik vertritt, zeigt doch einen sehr grossen Wandel, gemessen am damaligen Widerstand der EU gegen unsere Politik bei den Verhandlungen um das Landverkehrsabkommen. Und die Haltung des Verkehrsministers aus den USA verdient auch erwähnt zu werden: Minister aus der Bush-Regierung umgaben sich an internationalen Konferenzen mit Dutzenden von recht rüpelhaften Bodyguards und äusserten sich inhaltlich sehr überheblich und arrogant. Der neue Minister setzte sich völlig normal mit uns an den Tisch und versprach öffentlich, die USA wollten Eisenbahnen nach europäischem Vorbild bauen. Und er schwärmte von der Zukunft mit Elektromobilen. Wahlen können einen Wechsel bedeuten, betonte er immer wieder.
Fazit: Politik kann Vieles ändern. Manchmal versetzt sie sogar Berge.
Bis bald
Moritz Leuenberger



22 Kommentare
http://sergey.steckdoseonline.com
"Politik kann vieles àndern. Manchmal versetzt sie sorgar Berge."
OK! Meistens aber heisst Politik Blockade. Die Meinungen sind unverrückbar ein Kompromiss in weiter ferne. Meistens wird einer Vorlage noch ein Kuckucksein unterschoben. Alles zusammen wird dann dem Volk als Kompromiss schmackhaft gemacht, mit dem "zarten" Hinweis, dass bei der Ablehnung der Vorlage die Renten, Löhne oder was auch immer nicht gesichert seien und schon hat die Politik was sie will.
Zum Glück (für Politiker) gibt es für diese Art Leute nicht Leistungslohn, die müssten sonst noch etwas bringen. (Siehe 11. AHV-Revision 10 Jahre Geschwafel, oder ganz extrem, 50 Jahre bis zur Umsetung des Volksauftrages Mutterschaftsversicherung.)
Politiker leben in einer anderen Welt als Herr Bünzli und ich.
Na ja, ändern wird sich's ja kaum lassen.
Gruss
blasius
http://sirjoesardella.blueblog.ch/
Politik kann Vieles ändern.
Politik kann aber auch zu Realsatire mutieren.
Beispiele?
Italiens Politclown Berlusconi, Englands gierige Abgeordnete, Deutschlands Ausfälle über Herrn Steinbrück und eine Europawahl mit prognostizierter Wahlbeteiligung von lächerlichen 50%.
Viel Munition für Satiriker, Comedians und Blogger die mit politischen Aussagen wahrlich Berge versetzen...
Ein Gruss aus EmmenBRONX & "Wenn höt ned schpensch, denn schpensch!"
Sir Joe - Sergio Sardella
http://sirjoesardella.blueblog.ch/
Schon wieder eine Lobeshymne auf den BR, die NEAT und seine Politik. Es ist doch schon (fast) peinlich... zumal die NEAT nicht mal Ihr 'Kind' ist.
Während uns vor der Abstimmung die Durchlöcherung der schönen Alpenwelt für lächerliche CHF 8 Mia. angedreht worden war, liegen die letzten Schätzungen schon bei CHF 24 Mia. Gebaut wird immer noch und ein weiterer Kostenanstieg ist deshalb auch noch zu erwarten.
Wenn in anderen Ländern Budgets um 300% !!! überstiegen werden (und das ist noch nicht das Ende) und somit Steuergelder veruntreut, ruft dies irgend einen Anwalt auf den Plan - nicht so in der Schweiz, da wird fröhlich weiter gezahlt und das ganze als Erfolgskonzept verkauft. Dazu benötigt man eben einen Blog in dem sich mehrheitlich Gleichgesinnte treffen und sich gegenseitig Lob und Mut zusprechen. Dabei vergisst man nur zu schnell, dass es noch eine andere Welt mit einer anderen Meinung gibt.
Vielleicht sollte man wenigstens die Täuscherbande die die Kostenrechnung erstellt hat zur Rechenschaft ziehen? Aber auch das steht ausser Frage, denn die Verantwortung kommt von ganz oben.
Das Debakel über die Vergabe der Bauetappen scheinen auch schon alle vergessen zu haben. Es hat ja nur die Kosten weiter in die Höhe getrieben und der Steuerzahler soll keine Fragen stellen, sondern nur zahlen. Dafür ist er da, um den Gigantismus eines BR zu befriedigen.
Wären solche Betrügereien aus einem Unternehmen zu Tage gekommen... Das hätte einen Nationalen Aufschrei der Politik gegeben und alles hätte nach Regulierung und Überwachung geschrien und man hätte die verantwortlichen Köpfe absägen wollen... Nicht so beim Bund.
Es nimmt schon wunder, ob sich in Bern Mal jemand ernsthaft mit den Instandhaltungs- und Unterhaltskosten dieser Tunnelstrecken auseinandergesetzt hat? Die Wirtschaftslage wurde sicherlich auch noch nie berücksichtigt und wenn, dann nur zum Vorteil des Projektes, also mit unrealistischen WACHSTUMSzahlen für die nächsten 50 Jahre.
Ob zukünftige Generationen also genauso löblich über die NEAT sprechen werden, wenn sie die Steuerlast erdrückt? In einem überbevölkerten Kleinstaat wo die Armut auf dem Vormarsch ist wird eines der grössten Bauvorhaben der Welt getätigt und dies ohne Kreditlimite. Ob man da also wirklich von Nachhaltigkeit sprechen kann?
Nicht erst seit der Finanzkrise hinterlassen solche Megaprojekte bei so manchem einen schalen Geschmack im Mund. Überall stehen die Kräne still, selbst da wo Öl fliesst. Könnte es also nicht auch die Tunnelbohrmaschinen treffen? Könnte so ein Projekt nicht zu gross für die Schweiz sein?
Die Lobeshymnen der Ausländischen Minister auf Herr Leuenberger sind die von Aussenstehenden. Sie haben einen begrenzten Blick und wissen lange nicht alles, zu beschäftigt sind sie mit ihren eigenen Problemen. Und was macht man wenn man jemanden abwimmeln will ohne zu enttäuschen? Man klopft ihm auf die Schultern und sagt so was wie:"Hast du gut gemacht." oder "Ist toll geworden. Du musst mir alles darüber erzählen, aber nicht heute."
Natürlich, wenn man das gesamte Projekt betrachtet mag es wirklich als Innovativ erscheinen. Da wäre mal die Kostenrechnung. Es hat sicher äusserst innovative Köpfe gebraucht, bis man die Kosten auf schlappe CHF 8 Mia. glaubhaft heruntergedrückt hat. Dann wären die innovativen Tricks zu erwähnen, welche man benutzt um dem Steuerzahler noch mehr Geld aus den Taschen zu ziehen damit der Tunnelwahn finanziert werden kann. Die innovativen Köpfe, die die Debakel in Erfolgsgeschichten umschreiben. Die innovativen Köpfe die sich bei der Verzögerung der Vergabe eine goldene Nase verdient haben und nicht zu letzt ein innovativer Bundesrat der sich schon in den Geschichtsbüchern sieht und sich immer wieder geschickt seiner Verantwortung entzieht.
Apropos Verantwortung: Im gesamten Blog gibt es nicht einen einzigen Beitrag über die Südanflüge. Die werden nicht einmal mit einem einzigen Wort erwähnt und doch scheinen diese eine grosse Anzahl von Bloggern mehr zu interessieren als die NEAT. Aber eben, das gehört nicht in diesen Blog, hier werden nur 'Erfolgsgeschichten' und Lobeshymnen auf den BR veröffentlicht. Unangenehmes lässt man lieber sein, dass kennen wir vom Massaker am Tiananmen- Platz vor 20 Jahren.
Hoffen wir nur, dass die Politik die Berge nicht allzu weit versetzt und zukünftige Generationen plötzlich ins Ausland fahren müssen, um Berge zu sehen.
Einen schönen Gruss
Mr. Pink
Sehr geehrter Herr Bundesrat,
ich kann weitgehend zustimmen mit folgender Ergänzung/Einschränkung:
Staatsmännische Politik kann Vieles (zum Positiven) verändern.
Die übrige, leider noch überwiegende und verbreitete Politik "kann" leider
- Vieles zum Negativen verändern oder
- Negatives konservieren
- und manchmal gebären die versetzten Berge nur Mäuse...
Kann man das auch umgekehrt sehen ? Vieles kann die Politik ändern. Die Wähler in den USA haben anders gewählt, nachdem sie sahen, was die Politik angerichtet hatte.
Ist die Poltik innovativ (sie kann es auch sein, natürlich) oder ist es das Volk, der Wähler ? Sind es nicht die Menschen (auch die Politiker, ihrerseits Menschen), die neue Wege suchen, Dinge neu beurteilen ?
Führt das Primat der Politik (ich kalauere jetzt) nicht oft zu Primatenpolitik ?
@ Mr. Pink
Irgendwie mag ich Ihre Art zu argumentieren. Danke.
So, habt ihr, die ihr nicht vollständig anonym schreibt, schon an der Befragung aus der Uni Luzern teilgenommen?
Infrastruktur-Verlagerung und Bypass bei Blutgefäss-Verstopfung:
Nun sind doch Ärzte zu der Schlussfolgerung gelangt, der Patient müsse zu einem VERNÜNFTIGEN LEBENSSTIL finden, um eine Bypass Operation zu umgehen, bzw. um einen Rückfall zu vermeiden.
Dass Verlagerungspolitik "EU-weit in sehr grossem Wandel" begriffen ist: Wen wundert's?
Der NEAT-Bypass mag die Symptome lindern. Symptome einer verfetteten, verkalkten, wachstumsorientierten, wachstumsirregleiteten Wohlstandsgesellschaft.
Doch was ist mit den Ursachen?
Wo bleibt der von den Ärzten angemahnte Vernünftige Lebensstil?
Politik kann Berge versetzen. Das mag stimmen. Aber leider vermag sie keine realitätsresistenten Politiker zu versetzen...
Hoi Moritz,
ich mag deine Ausführungen wie wir in der EU wargenommen werden. Die Signale stimmen mit den meinigen überein. Wir sind nicht immer die Bösen, genau wie die EU auch nicht immer böse ist.
@ Mr. Pink + Wachstumskritiker
Irgendwie mag ich eure Art zu argumentieren ... Überhaupt nicht!!!
na ja....
Ich freue mich also auf mehr von dir Moritz und lese weiteres von dir...
Blog-leser und manchmal auch schreiber
http://moritzleuenberger.blueblog.ch/p1
Politik hat einen schlechten Ruf.
Das kommt auch hier wieder zum Ausdruck.
Und Europa wählt europafeindlich...
Siehe mein erstes Votum im vorigen Threat:
http://moritzleuenberger.blueblog.ch/p120.html
Aber wir alle (jaja, ich auch) spielen uns hier als Besserwisser und Alleskönner auf, lassen uns aber nicht wählen. Oder?
Einige kritisieren die Demokratie sogar offen, und sehnen sich nach einer Mischung aus Elitediktatur und libertärer Anarchie.
Wir wollen vielleicht gar keine Demokratie. Vielleicht sind wir ihrer gar nicht würdig, weil uns anderes wichtiger ist:
- Freizeit ohne Verantwortung, sprich: Egoismus
- Freiheit, sprich: Partikulärinteressen vom Staat befriedigen lassen;
- Wirtschaftswachstum, sprich: Ausbeutung und Raubbau;
- Vergnügen, sprich: der Andere soll für mich Überzeit und Nachtarbeit verrichten
- Transparenzverweigerung, sprich: Lüge, List und Abzockerei.
- Anonymität, sprich: Raubaukentum
Heute wieder die hilflose Wirtschaftsministerin mit dem besorgten Gesicht über die ach so erstaunlicherweise steigenden Arbeitslosenzahlen. Andere träumen von imaginären Konjunktur- und Beschäftigungspaketen.
Und - wie Pink schon früher angemerkt - unsere neunmalschlauen Ökonomen sehen Anzeichen eines Aufschwungs, obwohl sie nicht mal die Krise kommen sahen.
Diese Leute können nicht nasenslang denken. Aber 99% glauben ihnen...
Übrigens: schon in den Schulhäusern von Unterstufen kursieren Witze über die UBS...
Es gibt natürlich immer wieder Menschen in unserem kleinen Land, welche die Schweiz als Mittelpunkt des Universums sehen.
Aber denen muss ich sagen:
DIE SONNE IST DER MITTELPUNKT UNSERES PLANETENSYSTEMS.
Unser Land ist in der breiten Bevölkerung dieser Erde von keinem Interesse und so trifft man auf der ganzen Welt die selben stereotypischen Meinungen über die Schweiz. Und ich nehme dies auch niemandem übel. Im Gegenteil, es ist amüsant.
Und genau wegen dieser stereotypischen Meinungen schaut man aus dem Ausland oft zu uns hoch und bewundert uns. Aber interessiert es wirklich jemanden was wir Schweizer machen? Um diese Frage objektiv zu Beantworten sollte man vielleicht mal die Medien im Ausland studieren. Da wird man schnell merken, dass die Schweiz überhaupt nicht existiert.
Und wenn wir Schweizer im Ausland wahrgenommen werden, dann beruht dieses Interesse an uns jeweils nur auf zwischenmenschlicher, nicht aber auf politischer Basis. Wir gelten denn auch als freundlich, aber sicher nicht als politische Vorreiter.
Dieses Desinteresse auf politischer Ebene ist wohl der Preis der Neutralität. In Friedenszeiten wird man neutralisiert.
Und das ist keine Frage von Gut oder Böse. Wenn wir in der EU positiv aufgenommen werden, dann nur weil wir nicht allzu oft negativ auffallen. Aber überschätzen sollte man die Situation deshalb nicht.
Wer kann es den Amis also verübeln, wenn die unsere schöne Heimat nicht einmal auf der Weltkarte finden? Niemand. Weil es niemanden interessiert wo die Schweiz auf diesem Erdball zuhause ist.
Obwohl die Schweiz (mittlerweile nur noch) der 6. grösste Finanzplatz dieser Welt ist, hat man uns nicht einmal über ein neues Weltfinanzsystem gefragt. Warum? Es interessiert einfach keinen was unsere Regierung denkt und tut.
Es gibt also mindestens 20 Länder auf dieser Welt die wichtiger sind und somit einen grösseren Einfluss auf die Gestaltung der Erde haben als unser Alpenland. Und das traurige daran ist, dass viele in der Schweiz immer noch das Gefühl haben, wir könnten die Welt alleine Verbessern.
Bei allen grossen geschichtlichen Ereignissen waren wir, wie die meisten Länder dieser Erde, nur Zuschauer und hatten nichts zu melden. Wir waren zwar oft mittendrin im Geschehen, aber nie dabei. Akzeptiert dies doch endlich mal.
WENN ALSO nun Lob von Aussenstehenden Politikern kommt, muss man sich schon fragen, inwieweit haben die sich, wenn überhaupt, z. B eben mit der NEAT befasst? Mann weiss, es entsteht der längste Tunnel der Welt und für viele ist dies Grund genug ein Lob auszusprechen. Weiter nichts. Das ist wirklich schön, sollte aber eben nicht überbewertet werden.
Und genauso verhält es sich doch mit unserer Demokratie. Die wird ÜBERALL auf der Welt 'gelobt', aber wo bitte gibt es noch ein solches Modell der Demokratie? Obwohl wir mit Lob darüber nur so zugeschüttet werden sind, ist unser Modell der Demokratie unbedeutend. Es interessiert einfach keinen.
Das ganze macht mich aber überhaupt nicht traurig, denn auch wenn ich traurig über unsere unbedeutenden Rolle im Weltgeschehen wäre, so würde dies nichts ändern und ich würde nur bekloppt.
Ich weiss, es ist hart der Realität ins Auge zu schauen, aber selbst der Papst und die Kirche musste schliesslich ein heliozentrisches Weltbild akzeptieren.
Wir werden als Schweizer überall warm und freundlich Empfangen, aber das ist bei Gästen so üblich. Deswegen sollte man nicht gleich den Boden unter den Füssen verlieren. Das hat also nichts mit unserer Politik zu tun, sondern ist bei Freunden üblich.
Einen schönen Gruss
Mr. Pink
@ Mr. Pink
Ich finde deinen letzten Eintrag gut. In fast allen Abschnitten bin ich mit dir einig. Manchmal ist es aber auch gut ein Kleiner, Feiner, Unwichtiger Staat zu sein.
Trotzdem glaube ich, dass einer unserer Chefs (du Moritz) seine Arbeit als kleiner, feiner, unwichtiger Staats-Bundesrat nicht so schlecht macht.
Tu gutes und sprich darüber!
Grüsse aus dem kleinen, feinen, unwichtigen aber schönen Stadtstaat Schweiz
Blogleser
Ein Land kann nicht wichtig oder unwichtig sein. ein Land kann auch nichts verbessern oder an etwas Schuld sein. Ein Land ist ein Stück Erde, mit einer z.T. zufälligen, z.T. geschichtlich oder geographisch bedingten Grenze drum herum. Auch die Länge der Grenze und damit die Grösse des Landes ist zufällig oder geschichtlich bedingt. Das können (gottseidank) die Menschen heute nicht so leicht ändern. Menschen links und rechts der Landesgrenzen denken heute ähnlich bis gleich. Die Zeit wo die Menschen gezwungen wurden, jenachdem auf welcher Seite sie waren die Gewehre nach Osten oder nach Westen zu richten sind in Europa hoffentlich für immer vorbei.
Aber Menschen können wichtig oder unwichtig sein. Menschen können verbessern oder an etwas Schuld sein. Und Menschen, die die Idee haben, die Lebensqualität der andern Menschen zu verbessern bewundere ich, unabhängig wo sie gerade wohnen!
Einen schönen Gruss vom Wasserkopf
Danke für eure Antworten.
Zum Beitrag von Wasserkopf möchte ich nur folgendes sagen:
Mit 'Land' meinte ich einen Staat. Und ein Staat ist ein von Menschen geschaffenes Gebilde mit Grenzen die nie zufällig entstanden sind.
Ich denke die Definition sollte in meinem Beitrag eindeutig sein. Ansonsten schlage ich das Internet vor. Dort findest du sicher all die Definitionen von 'Land' und da wirst auch du schnell fündig, welche Definition ich verwendet habe.
Es grüsst
Mr. Pink
Es ist immer wieder erschreckend wie wenig selbst die obersten Entscheidungsträger über Eisenbahnen verstehen. Sie sollten sich den Betrieb der Eisenbahn mal von Fachleuten erklären lassen, sprich von Lokführern und Fahrdienstleitern.
Man kann nicht einfach Lokführerlizenzen von anderen Eisenbahnsystemen anerkennen. Das wäre wie wen man mit dem erhalt des First Certificate auch noch gleich das DELF anerkannt bekommt.
Eisenbahnen haben sich Länderspezifisch entwickelt, sie sind gewissermaßen endemisch. Deutsche und Schweizer Lokführer sprechen, im übertragenen Sinn, nicht die gleiche Sprache.
Es wäre angebrachter dass sie wenigstens innerhalb der Schweiz dafür sorgen würden, dass die Lokführer nicht endemisch ausgebildet würden. So dass diese ohne weitere Komplikationen innerhalb der Schweiz das Eisenbahnverkehrsunternehmen wechseln könnten. Denn heute ist es so das jedes noch so kleine Eisenbahnverkehrsunternehmen ihre eigenen Lokführer nach ihren eigenen Bedürfnissen Ausbilden dürfen, was diese laienhaft ausgebildeten Lokführer in anderen Bahnbetrieben unbrauchbar macht. Also bitte zuerst in der Schweiz für Interoperabilität sorgen
Berge versetzen lassen sich auch im Bereich der Energieerzeugun - ob durch die Politik oder durch Private scheint dabei gar nicht so entscheidend zu sein. Auch wenn es sich im nachfolgenden Artikel erst um eine Ankündigung handelt ("Deutsche Konzerne planen 400-Milliarden-Euro-Sonnenkraftwerke in der Wüste", so wird es doch immer offensichtlicher, dass sich in volkswirtschaftlich bedeutenden Unternehmen die Einsicht durchsetzt, dass Atomkraftwerke kein nachhaltige Zukunft haben und sich deshalb auch nicht für langfristig angelegte Investitionen eignen. In diesem Sinne hoffe ich auch auf die Einsicht im BR, dass die sog. Stromlücke, die sich gemäss Strom Loby abzeichnen soll, nicht mit Technologien wie der Atomkraft gedeckt wird, da diese nicht nur für den sozialen Frieden sondern auch für die Volkswirtschaft in grossem Umfang kontraproduktiv sind.
Es wäre schön zu sehen, wie Sie Herr Leuenberger den Kampf gegen die ewig gestrigen Strombarone noch einmal konsequent aufnehmen - zu verlieren gibts ja eigentlich nichts.
Beste Grüsse und gutes Gelingen
Lars Winter
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,630635,00.html
Den NEAT- Durchschlag haben Sie als Sieg der Demokratie gefeiert. Scheinbar ist die Demokratie direkt für den Tunnelbau verantwortlich, weil diese den Bau erst ermöglichte und finanzierte.
Leider kennt nicht nur die Demokratie die Projektierung und Steuereintreibung.
Es ist also mehr als nur bedenklich, den Durchschlag als Sieg der Demokratie zu feiern, weil das Eine absolut nichts mit dem Anderen zutun hat.
Heutzutage wird sowieso alles entweder als sozial, oder aber eben als demokratisch abgestempelt, ohne jeglichen Bezug zu haben. Diese beiden Wörter scheinen ohnehin die beliebtesten von Politikern aller Parteien zu sein.
Wenn der Durchschlag also wirklich ein Sieg für die Demokratie war, dann muss man auch den Krieg im Irak als Sieg der Demokratie preisen. Schliesslich wurden die Drahtzieher demokratisch gewählt und auch die Steuerzahler finanzieren den Kriegswahn.
Es ist höchste Zeit, dass der Steuerzahler und Wähler endlich aufwacht und nicht jedem Politiker den Schrott aus seinem Munde glauben schenk.
Und besondere Vorsicht ist geboten, wo man das Ganze mit Wörten wie 'sozial' oder 'demokratisch' ausschmückt. Mit diesen Worten werden die grössten Steuerverschwendungen und die blutigsten Kriege gerechtfertigt.
@ Mineure
Gratulation für den Durchschlag.
Einen gruss
Mr. Pink
Sie hatten gestern bei der NEAT-Feier von dem längsten Weltwunder gesprochen. Gerne möchte ich sie in dieser Sache ein wenig weiterbilden. Ein Weltwunder ist die Chinesische Mauer, welche ein kleines bisschen länger ist, als der NEAT Gotthard Tunnel. Ja wir wissen ja von der SP, dass in die Bildung zu wenig Geld investiert wird.
@ Mineure
Trotzdem eine super Leistung
Ich habe mal gelesen, dass Hunde in diese Tunnel verboten sind. Ist das wirklisch so?
Wenn ja, wie soll ich dann mit meinem Hund in die Ferien?
Besten Dank
Ein Hundefreund