[Version française Questions de transport]

Liebe Leserinnen und Leser

Sie haben es ja ohnehin gemerkt und deswegen gestehe ich es auch total freimütig: Ich war in den Osterferien und liess das Bloggen für ein paar Tage. Umso grösser war meine Freude, als ich in meinem Blognest einen bunten Osterstrauss von Fragen vorfand, die ich gerne beantworte:

1. Pascal Waelti trauert um einen Töffkollegen, der an Ostern im Waadtland ums Leben gekommen ist. Er wünscht sich ein paar Rennstrecken in der Schweiz, damit Töfffahrer richtiges Verhalten bei hohen Tempi üben könnten und fragt, warum der Bundesrat sich gegen den Bau von Rundstrecken stelle. Töfffahrer seien deshalb gezwungen, für ein Training ins Ausland auszuweichen.

Mir tut dieser Todesfall wirklich sehr leid. Es ist traurig, dass wir nach einem schönen Wochenende lesen müssen, wie viele Töfffahrerinnen und Töffahrer bei Unfällen verletzt oder getötet worden sind. Viele dieser Unfälle sind Selbstunfälle und es ist wirklich wichtig, dass in der Ausbildung aller Motorfahrzeuglenker das Verhalten in schwierigen Situationen trainiert wird. Dazu braucht es aber keine neuen Rennstrecken. Viele Veranstalter (Versicherungen, Fahrschulen, private Klubs) bieten in unserem Land Kurse für sicheres Fahren an, zum Teil auf besonderen Anlagen, zum Teil auf Flugplätzen oder anderen abgesperrten Pisten, wo man niemanden stört. Dort lässt sich alles trainieren, was es auf der Strasse wirklich braucht: Das sichere Handling des Motorrades, das Bremsen, das Ausweichen, die Wahl einer schnellen und gleichzeitig sicheren Kurvenlinie und das Gefühl für die eigene Schräglage. Eine Vollbremsung aus Tempo Autobahn liegt hier genau so drin wie die Gewöhnung an höhere Schräglagen, damit einem im Notfall in einer Kurve nicht plötzlich die Strasse ausgeht. Und für die Knieschleifer-Fraktion bietet der TCS sogar Kurse für sportliches Motorradtraining auf einer ehemaligen Rennstrecke in Lignières bei Neuenburg an. Informationen dazu finden Sie unter http://www.tcs.ch/main/de/home/kurse/test_training.html.

Leider hilft das alles nichts gegen die häufigen Unfälle, wo Motorradfahrer von unachtsamen Automobilisten abgeschossen werden – aber das ist eine andere Geschichte.

2. Herr Baldinger befürchtet, dass es bald soweit kommt, dass 70jährige Menschen ihren Führerausweis abgeben müssen. Ich kann Sie beruhigen. Das Alter allein ist kein Entzugsgrund. Das darf es nicht sein und ich will das auch gar nicht einführen. Ältere sind ja schliesslich nicht weniger auf das Auto angewiesen als junge. Aber: Letztes Jahr gab es über 370 Tote und über 5000 Schwerverletzte im Strassenverkehr. Das sind immer noch viel zu viele, auch wenn dank verschiedener Massnahmen die Opferzahlen in den letzten Jahren stark zurückgegangen sind. Wir haben den Promillegrenzwert gesenkt, das trifft nicht nur ältere Lenker. Neulenker erhalten heute den Führerausweis nur noch auf Probe. Das sind vor allem die Jungen, die wenig Erfahrung haben und ihr Können oft überschätzen. Wir wissen aber auch, dass mit zunehmendem Alter bestimmte Fähigkeiten nachlassen. Das ist bei jedem Mann und bei jeder Frau wieder anders. Bei einigen ist es schon früh nicht mehr zu verantworten, an das Steuer zu sitzen, andere könne bis über 90 fahren. Kürzlich las ich von einer 110 Jahre alten Frau, die noch Auto fahre (bei mir wird das sicher nicht der Falls ein…) Weil es bei jedem wieder anders ist, brauchen heute alle Automobilisten ab 70 eine ärztliche Bestätigung ihrer Fahrtauglichkeit. Das macht der Hausarzt, und wir haben gute Erfahrungen damit gemacht. Er kann nämlich dem Patienten, den er ja kennt, auch den richtigen Ratschlag geben. Viele geben nämlich den Ausweis freiwillig ab.

3. K. S. sieht zu viele Lastwagen auf den Strassen und fragt, warum diese nicht per Gleis durch die Schweiz befördert werden könnten. Da kann ich nur sagen: Wir sind daran. Letztes Jahr ist die Zahl der Lastwagen, die die Schweiz auf der Strasse durchquert haben, auf 1,18 Millionen gesunken, im Jahr 2000 waren es noch 1,4 Millionen. Im Gegenzug hat die Gütermenge, die per Containerzüge oder rollende Landstrasse die Schweiz durchquerte, stark zugenommen. Die Verkehrsverlagerung funktioniert.
Diese rollende Landstrasse, die Rola, transportiert ganze Lastwagen. Die Fahrer können sich im Zug ausruhen. Auf lange Sicht ist es aber besser, nur die Container auf der Schiene zu transportieren, denn die Lastwagen verlassen ja dann den Zug an der Grenze wieder und sind dann doch auf der Strasse. Für das Gewicht des transportierten Lasters kann zusätzlich Ware in Containern transportiert werden.

4. Viele Kommentatorinnen und Kommentatoren bedauern, dass fünf Milliarden Franken für den weiteren Ausbau der Schweizer Bahninfrastruktur zu wenig seien und dass das Geld erst noch falsch eingesetzt werde. Als Verkehrsminister und Bahnfahrer würde ich natürlich sehr gern viel mehr Ausbauwünsche erfüllen. Aber es ist nun einmal so, dass das Volk 1998 für die NEAT, die Bahn 2000, die Lärmbekäpfung und die Anschlüsse ans internationale Hochgeschwindigkeitsnetz 30,5 Milliarden Franken bewilligt haben. Der Bundesrat muss und will sich an diesen Rahmen halten. Gerade auch deshalb, weil es neben dem Verkehr noch andere wichtige Aufgaben gibt. Ob das Geld richtig eingesetzt wird, soll nun auch die Vernehmlassung über den Vorschlag des Bundesrates zeigen. Wir werden das Projekt sicher anpassen müssen, wenn wir die Ergebnisse der Vernehmlassung kennen, und dem Parlament einen verbesserten Vorschlag unterbreiten. Das Parlament kann dann immer noch anders entscheiden.

Bis zum nächsten Mal

Ihr Moritz Leuenberger