[Version française Le cours de premier secours]

Bundesrat Moritz Leuenberger beim Üben der Wiederbelebung an einer Puppe. (©KEYSTONE/Lukas Lehmann) Es war mir ein privates und ein öffentliches Anliegen, endlich einen Nothelferkurs zu besuchen. Letzte Woche kam der Termin für einen Auffrischungskurs beim Schweizerischen Samariterbund zustande. Der Samariterbund und ich selber fanden den Beizug von Medien wichtig, weil die Erste Hilfe bei einem Unfall oft entscheidend für die Schwere der Verletzungen, manchmal sogar für das Überleben sein kann. Meine Teilnahme sollte also auch etwas Propaganda für Auffrischungs- und Weiterbildungskurse sein.

Mit etwa sieben weiteren Teilnehmerinnen, (die erst unmittelbar vor Kursbeginn von ihrem zweifelhaften Glück erfuhren, die Ausbildung zusammen mit einem Tross von Journalisten im Schlepptau eines Bundesrates zu absolvieren), folgte ich also den Erläuterungen der Kursleiterin und beteiligte mich an den verschiedenen kleinen Übungen. Die Journalisten warteten ungeduldig auf meine ersten Handgriffe an einer Puppe. Und schon kam die erste Frage: „Würden Sie auch Herrn Blocher Erste Hilfe leisten?“ Ich etwas irritiert: „Ja, das ist doch der Sinn der Ersten Hilfe, dass man jedem verletzten Menschen hilft.“ Nächste Frage: „Aber wenn jetzt Herr Blocher…“ Ich unterbreche: „Es geht doch jetzt darum, Erste Hilfe zu lernen und öffentlich zu zeigen, dass das wichtig ist. Es geht jetzt nicht um Bundesratsgeschichtlein.“ Der Journalist insistiert nicht. Es kommt jedoch ein anderer von einem Lokalradio. Zunächst kann ich mich zum Sinn dieser Aktion als einem Beitrag zur Reduktion von Opfern des Strassenverkehrs äussern, doch dann wieder: „Sie haben gesagt, Herr Blocher…“ Antwort: „Ich habe nichts von Blocher gesagt, ich wurde nach ihm gefragt und ich finde dieses Thema habe jetzt hier nichts zu suchen….“ Er bleibt dran: „Aber Herr Blocher…“ Ein Wort ergibt das andere, ich weigere mich, Munition für eine Blocher/Leuenberger-Story zu liefern. Der Lokalradiojournalist zieht ungehalten aus dem Saal. Der Kurs wird fortgeführt.

Nach ihm wieder Interviews. 10vor10 macht einen instruktiven Beitrag, andere fotografieren. Doch der Journalist, der als erster einen Bundesratsknatsch konstruieren wollte, versucht es noch einmal. Er versteht jedoch schliesslich, dass jetzt nicht der Bundesrat zur Diskussion steht, sondern die Verkehrssicherheit. Ich mache ihn auf via sicura, auf den Vorschlag 0,0 Promille für Neulenker aufmerksam. Ein bereits bekannter Vorschlag zwar, aber leider doch aktuell wegen der Unfälle vom vorletzten Wochenende, vielleicht doch etwas für eine Schlagzeile?

Tatsächlich, am Wochenende kommt die Geschichte in einer Sonntagszeitung: „Bundesrat Leuenberger macht Ernst“. (Macht Ernst? Na ja. Vergleiche dazu in meinem Buch das Kapitel über Ankündigungspolitik…) Der Beitrag wird gross aufgenommen von der Tagesschau, obwohl ja eigentlich die Idee nicht neu ist. Und was machen wir mit den frustrierten Journalisten, die gerne eine Bundesrats-Geschichte während der Lebensrettungsübungen gehabt hätten? Wir schicken sie in einen Nothelferkurs. Dort kann man nämlich lernen, dass es noch andere Probleme auf dieser Welt gibt.

Bis bald

Moritz Leuenberger