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<wml xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head><meta http-equiv="Content-Type" content="text/vnd.wap.wml;charset=ISO-8859-1"/></head><card id="main" title="KAYWA"><p><big>Moritz Leuenberger</big><br/>Notizen zu Politik und Gesellschaft<br/></p><p><small>31.7.2008,&#xA0;10:26</small><br/><b><a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/diverses/erste-1-august-blog-rede.html">Erste 1. August Blog Rede</a></b></p><p>[Version fran&#xE7;aise <a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/moritzleuenberger.blueblog.ch/static/premier-discours-blogue-du-1er-aout">Premier discours blogu&#xE9; du premier ao&#xFB;t</a>]<br/>
[Versione italiana <a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/moritzleuenberger.blueblog.ch/static/primo-discorso-del-1-agosto-pubblicato-in-un-blog">Primo discorso del 1&#xB0; agosto pubblicato in un blog</a>]<br/>
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[<a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/moritzleuenberger.blueblog.ch/files/images/2008/7/mob87_1217493051.jpg">bild</a>]
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Nachdem ich in den letzten Jahren meine 1. Augustreden <a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/www.uvek.admin.ch/dokumentation/00476/00477/00731/index.html?lang=de">2005 in Samaden</a> (r&#xE4;toromanisch und schweizerdeutsch sprechender Teil der Schweiz), 2006 im Val de Travers (Kt. NE, franz&#xF6;sisch sprechende Schweiz), <a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/www.uvek.admin.ch/dokumentation/00476/00477/01377/index.html?lang=de">2007</a> in Palagnedra (italienisch sprechende Schweiz) klassisch bei Lampions und Feuer gehalten habe und mich <a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/www.uvek.admin.ch/dokumentation/reden/chef/20010801/00607/index.html?lang=de">2001</a> und <a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/www.uvek.admin.ch/dokumentation/00476/00477/01112/index.html?lang=de">2006</a> als Bundespr&#xE4;sident an Radio und Fernsehen zum Nationalfeiertag &#xE4;usserte, verfasse ich diesmal, vor einer anderen Gemeinde und in einem anderen Medium, einen 1. August Blog. Das ist nicht nur f&#xFC;r mich eine Premi&#xE8;re: Es handelt sich schweiz- und weltweit um die erste 1.August-Rede in einem Blog &#xFC;berhaupt.<br/>
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[<a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/moritzleuenberger.blueblog.ch/files/images/2008/7/mob92_1217493691.jpg">bild</a>]
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Liebe Besucherinnen und Besucher meines Blogs,<br/>
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Was ist schweizerisch? In einer Serie l&#xE4;sst die NZZ Gastautoren &#xFC;ber diese Frage nachdenken und schreiben. Mir ist aufgefallen, dass zwei Kulturschaffende, die hier wohnen und arbeiten, n&#xE4;mlich Stardirigent Nicolas Harnoncourt aus &#xD6;sterreich und Matthias Hartmann, Direktor des Z&#xFC;rcher Schauspielhauses aus Deutschland, unabh&#xE4;ngig voneinander beide einen Umstand als &#x201E;typisch schweizerisch&#x201C; empfinden: Die Schweizer w&#xFC;rden auf den Strassen oft unter der signalisierten H&#xF6;chstgeschwindigkeit fahren. Beide lassen keinen Zweifel daran, dass sie diesem helvetischen Volkscharakterzug nicht das Geringste abgewinnen und dar&#xFC;ber nur verst&#xE4;ndnislos ihre K&#xF6;pfe sch&#xFC;tteln k&#xF6;nnen.<br/>
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Ich k&#xF6;nnte mich als Verkehrsminister nat&#xFC;rlich &#xFC;ber gelegentliche gegenteilige Feststellungen der Polizei &#xE4;ussern. Ich k&#xF6;nnte Harnoncourts und Hartmanns Beobachtungen auch n&#xE4;her untersuchen: H&#xE4;uft sich die angeprangerte zur&#xFC;ckhaltende Fahrweise eher auf dem Weg ins Gesch&#xE4;ft, w&#xE4;hrend der Arbeitszeit oder auf dem Heimweg? Die psychologischen Schl&#xFC;sse w&#xE4;ren relativ einfach zu ziehen. Ich k&#xF6;nnte gewiss auch &#xFC;ber die m&#xF6;glichen tiefenpsychologischen Wurzeln dieses Limiten unterschreitenden Nationalverhaltens sinnieren. Bedeutet es eigenverantwortliches Sicherheitsdenken, &#xF6;kologisches Bewusstsein oder gar ein abgekl&#xE4;rtes Verh&#xE4;ltnis zu Zeit und Ewigkeit?<br/>
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Doch lassen wir die Spielereien; Spott will ich schon gar nicht aufkommen lassen. Ich sch&#xE4;tze das kulturelle und politische Engagement der beiden, ich denke besonders an einen Beitrag von Harnoncourt zu Schul- und Bildungsfragen, und ganz ehrlich gesagt: So einfach ist die Frage &#x201E;Was ist schweizerisch?&#x201C; keineswegs zu beantworten.<br/>
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[<a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/moritzleuenberger.blueblog.ch/files/images/2008/7/mob92_1217493691.jpg">bild</a>]
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Doch zur Feier des 1. Augustes sei ein Versuch gewagt:<br/>
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Eine schweizerische Besonderheit muss ich bei bilateralen Verhandlungen, in UNO-Konferenzen oder internationalen Kongressen immer und immer wieder erkl&#xE4;ren:<br/>
Die direkte Demokratie und ihre Folgen f&#xFC;r die Stimmb&#xFC;rger, f&#xFC;r unser Regierungssystem und f&#xFC;r den politischen Stil. Selbst in europ&#xE4;ischen Demokratien st&#xF6;sst sie nicht nur auf Unkenntnis, sondern auch immer auf Unverst&#xE4;ndnis. So hat mir k&#xFC;rzlich der Staatspr&#xE4;sident eines Nachbarlandes wohlmeinend zugeraunt: &#x201E;Von dieser m&#xFC;hsamen Staatsform werdet Ihr ja gelegentlich einmal abr&#xFC;cken m&#xFC;ssen.&#x201C;<br/>
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&#xDC;berwinden wir mal den ersten patriotischen Rechtfertigungsreflex und fragen wir uns selber: Ist an diesen Vorbehalten vielleicht doch etwas dran?<br/>
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[<a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/moritzleuenberger.blueblog.ch/files/images/2008/7/mob93_1217493774.jpg">bild</a>]Es wird, wenn ich unser System erkl&#xE4;re, eingewendet, in einer direkten Demokratie k&#xF6;nnten keine langfristigen Strategien entwickelt, es k&#xF6;nne keine Koh&#xE4;renz hergestellt werden; die Entscheide m&#xFC;ssten doch gewiss sprunghaft und nicht von einer inneren Logik gepr&#xE4;gt sein.
<br/>
Gerade als Verkehrsminister sehe ich, dass die Politik in repr&#xE4;sentativen Demokratien mit ihren wechselnden Regierungsmehrheiten oft eher ein H&#xFC;st und Hott darstellt und weniger von geradliniger Konsequenz gepr&#xE4;gt ist. In unserer direkten Demokratie aber haben sich die Stimmb&#xFC;rger immer wieder f&#xFC;r die Verlagerung von der Strasse auf die Schiene und f&#xFC;r den Ausbau des &#xF6;ffentlichen Verkehrs ausgesprochen und dabei so komplizierten Vernetzungen wie derjenigen zwischen LSVA, NEAT und den bilateralen Vertr&#xE4;gen Rechnung getragen. Und ist einmal ein Entscheid getroffen worden, stellt ihn niemand mehr in Frage. Die direkte Demokratie bringt also Stabilit&#xE4;t mit sich. Auch den bilateralen Weg mit der EU ist die Schweiz bisher konsequent gegangen.<br/>
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[<a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/moritzleuenberger.blueblog.ch/files/images/2008/7/mob93_1217493774.jpg">bild</a>]In einer direkten Demokratie, dies ein weiterer Einwand, achte jedes Gemeinwesen nur auf die eigenen Vorteile, die Gemeinden, die Kantone und der Bundesstaat. Die direkte Demokratie erbringe keine Solidarit&#xE4;t.
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So wie sich ein einzelner Mensch sozial verh&#xE4;lt, tut das auch ein Gemeinwesen. Dabei verhalten sich eine Regierung oder ein Parlament nicht etwa solidarischer als jede B&#xFC;rgerin und jeder B&#xFC;rger. Die Schweiz ist in einer Volksabstimmung der UNO beigetreten und sie hat die Koh&#xE4;sionszahlungen f&#xFC;r die neuen EU-Mitglieder ebenfalls an der Urne best&#xE4;tigt.<br/>
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[<a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/moritzleuenberger.blueblog.ch/files/images/2008/7/mob93_1217493774.jpg">bild</a>]Es verkomme, auch das ein Argument, die direkte Demokratie zur &#x201E;Demokratur&#x201C;. Die Mehrheit k&#xF6;nne die Minderheit systematisch &#xFC;berstimmen und sich alle Rechte herausnehmen. So denke doch jede Generation nur an sich und sei f&#xFC;r langfristige Investitionen nicht bereit.
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In einem Land mit vier offiziellen und unz&#xE4;hligen inoffiziellen Sprachen und mit vielen Kulturen, einem Land, das praktisch nur aus Minderheiten besteht, m&#xFC;ssen wir zwangsweise auf Minderheiten R&#xFC;cksicht nehmen. Und von wegen Investitionen: In einer Volksabstimmung wurden mehr als 30 Milliarden Franken f&#xFC;r Verkehrsprojekte beschlossen, die haupts&#xE4;chlich k&#xFC;nftigen Generationen dienen werden. Dass sich die B&#xFC;rger in der direkten Demokratie auch dem Rechtsstaat unterziehen wollen, hat die letzte Abstimmung &#xFC;ber die Einb&#xFC;rgerungsinitiative gezeigt.<br/>
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[<a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/moritzleuenberger.blueblog.ch/files/images/2008/7/mob92_1217493691.jpg">bild</a>]
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Nun t&#xF6;nt das alles schon sehr nach einer sehr klassischen und patriotischen 1. Augustrede und danach, als ob wir im gerechtesten, vor lauter sozialer Verantwortung durchdrungenen Staat leben w&#xFC;rden, in dem jeder und jede alle Voraussetzungen zum vollkommenen Gl&#xFC;ck h&#xE4;tte.<br/>
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So idyllisch sind die Verh&#xE4;ltnis gewiss nicht und es ist ganz klar: Der Grundgehalt der direkten Demokratie muss stets wieder errungen werden, auch bei uns. Rechtsstaatlichkeit und Solidarit&#xE4;t sind stets in Frage und auf die Probe gestellt.<br/>
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[<a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/moritzleuenberger.blueblog.ch/files/images/2008/7/mob93_1217493774.jpg">bild</a>]Rechtsstaatlichkeit: Die Initiative gegen das Verbandsbeschwerderecht will, genau wie es die Einb&#xFC;rgerungsinitiative auch wollte, den Rechtsstaat und den Umweltschutz dann nicht mehr garantieren, wenn an der Urne oder in Gemeindeversammlungen die Realisierung eines Projektes im Grundsatz beschlossen worden ist. Das darf nicht in Frage kommen. Auch ein Projekt, das eine Mehrheit will, hat den Gesetzen, die f&#xFC;r die Umwelt erlassen wurden, zu gen&#xFC;gen und, da die Natur nicht selber Rekurs einlegen kann wie ein Nachbar, sollen die Umweltverb&#xE4;nde als Anw&#xE4;lte der Umwelt an die Gerichte gelangen k&#xF6;nnen, welche dann entscheiden. Eine Demokratie ist erst gerecht, wenn sie auch ein Rechtsstaat ist. Das haben die Stimmb&#xFC;rgerinnen und Stimmb&#xFC;rger bei der Einb&#xFC;rgerungsinitiative eindr&#xFC;cklich festgehalten.
[<a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/moritzleuenberger.blueblog.ch/files/images/2008/7/mob93_1217493774.jpg">bild</a>]Solidarit&#xE4;t: Die Idee eines CO2-Ablasshandels, wonach die Schweiz all ihren CO2-Ausstoss im Ausland kompensieren und selber keine eigene Reduktionen leisten soll, ist nicht solidarisch mit all denen, die effektive Anstrengungen zur CO2-Reduktion leisten sollen. Abgesehen davon, dass die Weltgemeinschaft eine solche Haltung nicht tolerieren will, k&#xF6;nnen wir mit Energieeffizienz bei uns und vermehrten erneuerbaren Energien von der Erd&#xF6;labh&#xE4;ngigkeit wegkommen. Wir k&#xF6;nnen Technologien entwickeln und unseren eigenen Beitrag zur Klimapolitik leisten.
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[<a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/moritzleuenberger.blueblog.ch/files/images/2008/7/mob93_1217493774.jpg">bild</a>]Die Solidarit&#xE4;t mit k&#xFC;nftigen Generationen ist auch heute in Frage gestellt, nicht nur durch den organisierten Widerstand gegen jede Klimapolitik oder durch die Abbaupl&#xE4;ne im &#xF6;ffentlichen Verkehr. Denken wir daran: Investitionen in die Infrastrukturen sind unabdingbar und wir d&#xFC;rfen uns daf&#xFC;r auch verschulden, das heisst wir d&#xFC;rfen der k&#xFC;nftigen Generation einen Beitrag an diese Investition zumuten.
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[<a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/moritzleuenberger.blueblog.ch/files/images/2008/7/mob92_1217493691.jpg">bild</a>]
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Die Qualit&#xE4;t der direkten Demokratie zeigt sich aber insbesondere in den Prozessen, in denen wir zu den Entscheidungen gelangen. Idealerweise m&#xF6;chten wir in der Demokratie ja einen Konsens anstreben: Die verschiedenen Interessen so lange abgleichen und austarieren, bis eine L&#xF6;sung gefunden ist, die alle akzeptieren k&#xF6;nnen. Doch das ist eine Illusion. Meist muss ein Mehrheitsentscheid gef&#xE4;llt werden. Und so ist besonders wichtig: Selbst wenn ein solcher Entscheid demokratisch legitimiert ist, muss er gegen&#xFC;ber den unterlegenen Minderheiten gerechtfertigt werden k&#xF6;nnen, so dass sich diese damit abfinden k&#xF6;nnen. Daher muss die Demokratie so organisiert werden, dass die Minderheiten ihre Interessen und Argumente einbringen k&#xF6;nnen. Dies wollen unsere langwierigen Vernehmlassungen, Kommissionsberatungen und Differenzbereinigungen erreichen.<br/>
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Das erheischt eine eigene, eine typisch schweizerische Geschwindigkeit, die in unseren Nachbarl&#xE4;ndern oft als langsam empfunden wird. Doch gelingt uns damit eine politische Nachhaltigkeit, indem wir umsichtig vorgehen. In einigen Bereichen sind wir denn auch eindeutig weiter als die EU, in der Verkehrspolitik, im Gew&#xE4;sserschutz beispielsweise; in anderen gehen wir bed&#xE4;chtiger voran, in der ganzen Liberalisierung zum Beispiel. Hier kann sich zu schnelles Vorgehen r&#xE4;chen. Das hat die Strommarkt&#xF6;ffnung gezeigt. Wir sollten es bei der Postliberalisierung bedenken.<br/>
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Das ist das wirklich Schweizerische an unserem Staat: Er dr&#xE4;ngt uns zum Verhandeln, zum Interessensausgleich, zum Kompromiss &#x2013; und gerade dadurch finden wir zu praktikablen und dauerhaften L&#xF6;sungen. Das ist der tiefere Sinn der direkten Demokratie: Sie verhindert, dass sich eine Kultur, eine Sprachgemeinschaft oder eine politische Kraft auf Kosten der anderen mit einseitigen Vorschl&#xE4;gen durchsetzen kann &#x2013; weder innerhalb der Regierung noch ausserhalb. Deshalb widerspricht der Gang &#x201E;in die Opposition&#x201C; dem Grundgedanken der direkten Demokratie. Denn es gibt nicht eine Mehrheit in Parlament und Regierung, welche &#x201E;das Volk&#x201C; bis zu den n&#xE4;chsten Gesamterneuerungswahlen vertritt, sondern die Stimmb&#xFC;rgerinnen und Stimmb&#xFC;rger haben jederzeit und zu jedem Gegenstand das letzte entscheidende Wort. Zur Vorbereitung desselben haben alle Gew&#xE4;hlten die Pflicht, an der Kompromisssuche teilzunehmen. Um allen denselben Einfluss zu gew&#xE4;hren rotieren ja Kommissions-, Parlaments- und Regierungspr&#xE4;sidien und deswegen sind alle grossen Parteien in allen wichtigen Gremien vertreten. So pr&#xE4;sidieren im Moment Mitglieder der SVP sowohl die Sicherheitskommission als auch die Umwelt- und Energiekommission (UREK) des Nationalrates, und die Pr&#xE4;sidien von National- und St&#xE4;nderat werden von der SVP ausge&#xFC;bt. All die Pr&#xE4;sidenten vertreten dabei loyal und gewissenhaft ihre Kommissionen bzw. Parlamente. Wie k&#xF6;nnten sie da parallel dazu noch Grundsatzopposition betreiben? Das widerspr&#xE4;che dem Geist unserer Staatsform, welche f&#xFC;r die Gestaltung unseres Gemeinwesens die Beteiligung Aller postuliert.<br/>
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H&#xFC;ten wir uns aber, &#x201E;typisch Schweizerisches&#x201C; zu einem Klischee erstarren zu lassen. &#x201E;Typisch schweizerisch&#x201C; ist nicht die Bewahrung eines idealisierten und erstarrten Urbildes, sondern bedeutet, den grunds&#xE4;tzlichen, tiefen Gehalt der direkten Demokratie &#xFC;berall wahrzunehmen, auch weltweit. Die Grundidee unseres Systems ist, dass Alle teilnehmen k&#xF6;nnen und sich einsetzen sollen. Statt Angst zu haben, dass unsere Eigenheiten gef&#xE4;hrdet werden k&#xF6;nnten, sollten wir unsere Teilnahme an der Weltgemeinschaft als eine logische Fortsetzung unserer &#xDC;berzeugungen verstehen. Wir tun das im Rahmen der UNO: Menschenrechtsrat in Genf, Vermittlungsrolle in vielen Konflikten. Wir werden unser Verh&#xE4;ltnis zur EU auch immer wieder unter diesem Aspekt &#xFC;berpr&#xFC;fen m&#xFC;ssen. Gegen die Solidarit&#xE4;t mit den neuen EU-L&#xE4;ndern Rum&#xE4;nien und Bulgarien ist das Referendum bereits angek&#xFC;ndigt worden und wir wissen noch nicht, welche Parteien welche Parolen beschliessen werden, (selbst wenn sie selber das Referendum nicht unterst&#xFC;tzen). Wir wissen auch noch nicht, wer die Referendumskampagne mit welchen Mitteln finanzieren wird. Bedenken wir: Mit den Beitragszahlungen an die beiden neuen L&#xE4;nder steht auch unser ganzer bilateraler Weg mit der EU zur Diskussion. Wir k&#xF6;nnen uns eine weitere Isolation unseres Landes nicht leisten, nicht nur wirtschaftlich nicht, sondern auch politisch nicht. Schon heute fragen wir uns, warum Kolumbien unsere Unterh&#xE4;ndler f&#xFC;r die Geiselbefreiung kritisiert, nicht aber diejenigen der EU-Mitglieder Spanien oder Frankreich. Und wieso ger&#xE4;t gerade die Schweiz f&#xFC;r die rechtstaatliche Verhaftung des Sohnes von Ghaddafi unter Druck, w&#xE4;hrend Libyen kein Aufhebens machte, als Hannibal in zwei EU-Staaten mit dem Gesetz in die Quere kam (2001 Festnahme in Italien wegen einer Pr&#xFC;gelei, 2004 Verurteilung wegen Gewalt und unerlaubtem Waffenbesitz in Frankreich)? Wenn wir schon nicht Mitglieder der EU sind, so ist es doch unter keinen Umst&#xE4;nden denkbar, dass wir nicht einmal bilateral mit ihr verbunden bleiben. Solidarit&#xE4;t m&#xFC;ssen wir uns gegenseitig erbringen, denn auch wir sind darauf angewiesen. Diese Erkenntnis haben wir in vielen Volksabstimmungen regelm&#xE4;ssig immer wieder zum Ausdruck gebracht und ihr m&#xFC;ssen wir uns in unserer direkten Demokratie weiterhin verpflichten.<br/>
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[<a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/moritzleuenberger.blueblog.ch/files/images/2008/7/mob92_1217493691.jpg">bild</a>]
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Vielleicht haben unsere beiden Kulturschaffenden Nicolas Harnoncourt und Matthias Hartmann gar nicht so Unrecht. Die Fahrweise in einer direkten Demokratie gebietet Eigenverantwortung und nicht blossen Gehorsam gegen&#xFC;ber verordneten Verkehrsschildern und das f&#xFC;hrt zu einer eigenst&#xE4;ndigen Geschwindigkeit. Nicht alles, was erlaubt ist, darf und soll gemacht werden. Mit Pragmatismus, Augenmass und einem Tempo, das es allen erlaubt, Schritt zu halten, kommen wir in der direkten Demokratie schneller und sicherer ins Ziel. Dieses Ziel ist auch globale Solidarit&#xE4;t und Mitverantwortung. Wir sind nicht nur Citoyens unseres Landes, sondern tragen Verantwortung f&#xFC;r die ganze Welt.<br/>
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Ich w&#xFC;nsche allen einen sch&#xF6;nen 1. August.<br/>
<br/>
Moritz Leuenberger<br/>
<br/>
[<a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/moritzleuenberger.blueblog.ch/files/images/2008/7/mob87_1217493051.jpg">bild</a>]<br/>
Bildquelle: <a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/www.moritz-in-genf.blogspot.com/2006/12/le-pays-et-la-ville-o-lon-vit-le-plus.html">Mes ann&#xE9;es &#xE0; Gen&#xE8;ve</a>
<br/>&#xA0;</p><p><small><a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/diverses/erste-1-august-blog-rede.html">Kommentare</a>&#xA0;(99)
        <br/>Kategorie:&#xA0;<a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/diverses">Diverses</a><br/></small></p><p><a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/p86.html">&#xAB; zur&#xFC;ck</a>
	   	 &#xA0;|&#xA0;
	   	 <a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/p84.html">weiter &#xBB;</a></p><p align="center"><br/>- KOMMENTARE -</p><p><b>Harry</b><br/><a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/harrysding.wordpress.com">harrysding.wordpress.com</a><br/>31.07.2008, 12:52<br/>Vielen Dank f&#xFC;r diese anregende und geistreiche 1. August-Rede.<br/>
<br/>
Die von Ihnen ge&#xE4;usserten Gedankeng&#xE4;nge sind &#xE4;usserst spannend und inspirierend.<br/>
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Obwohl ich nicht immer mit Ihrer Meinung einverstanden bin (muss man in einer direkten Demokratie auch nicht, oder?), gratuliere ich Ihnen zu diesem 1. August-Ansatz.<br/>
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Es w&#xE4;re w&#xFC;nschenswert, wenn sich auch andere h&#xE4;ufiger solche staatspolitischen Grundsatz&#xFC;berlegenungen machen w&#xFC;rden.<br/>
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Sch&#xF6;ner 1. August!<br/><br/><b>RainbowNet-Blog</b><br/><a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/blog.rainbownet.ch">http://blog.rainbownet.ch</a><br/>31.07.2008, 14:30<br/>Machen wir uns nichts vor, die SVP hat keine Ahnung von Demokratie und offenbar auch kein Interesse daran. Sie f&#xFC;hren sich auf wie Brandstifter und hetzen das Volk gegeneinander auf. Wer Opposition um der Opposition willen betreibt, der widersetzt sich der Demokratie und wer permanent einer vom Volk gew&#xE4;hlten Regierung ans Bein pinkelt, ist ganz einfach unschweizerisch. Bleibt zu hoffen, dass die Mehrheit der SVP-W&#xE4;hler an den n&#xE4;chsten Wahlen zur BDP wechselt, vielleicht h&#xE4;lt dann wieder ein wenig Anstand Einzug in die Schweizer Politik.<br/>
<br/>
Zur Verbandsbeschwerde: Der Grossteil der Verbandsbeschwerden sind erfolgreich, sprich, sie haben ein nicht gesetz-konformes Projekt zur Einhaltung des Gesetzes gezwungen. Dass dies gewissen Wirtschaftsvertretern rund um die Z&#xFC;rcher FDP nicht passt ist offensichtlich. Offenbar will die FDP der Wirtschaft ein Recht auf Anarchie erk&#xE4;mpfen. Opfer dabei ist die Natur..... und damit wir alle.<br/><br/><br/><b>Tim</b><br/>31.07.2008, 14:44<br/>Herr Bundesrat<br/>
<br/>
Gef&#xFC;hlsm&#xE4;ssig habe ich die Qualit&#xE4;t der direkten Demokratie und ihre Abh&#xE4;ngigkeit vom Ethos jeder B&#xFC;rgerin und jedes B&#xFC;rgers schon immer so wahrgenommen, wie Sie es in Ihrer Ansprache aussprechen. Die Lekt&#xFC;re tut gut, sie fasst diese Qualit&#xE4;t in Worte und zeigt, worin sie (auch) gr&#xFC;ndet.<br/>
Mich ber&#xFC;hren die S&#xE4;tze:<br/>
"Eine Demokratie ist erst gerecht, wenn sie auch ein Rechtsstaat ist."<br/>
"Die Grundidee unseres Systems ist, dass Alle teilnehmen k&#xF6;nnen und sich einsetzen sollen."<br/>
Diese zwei S&#xE4;tze m&#xF6;gen, f&#xFC;r sich gelesen, lapidar klingen. Ihre Rede zeigt, dass sie essentiell sind.<br/>
<br/>
Danke!<br/>
Tim Norton<br/><br/><b>knall</b><br/>31.07.2008, 15:12<br/>In einer direkten Demokratie werden die Volksvertreter bekanntlich durch eben das Volk gew&#xE4;hlt. Sollten dann diese gew&#xE4;hlten Volksvertreter nicht auch das Volk vertreten, und weniger gegen das Volk politisieren? Ich denke da an die in meinen Augen sehr fragw&#xFC;rdigen Verhandlungen mit Deutschland im Bereich des Flugl&#xE4;rms oder an die Einf&#xFC;hrung immer wieder neuer Steuern. Irgendwie stimmt da in der "direkten" Demokratie etwas nicht mehr....<br/><br/><b>Christian Vogler</b><br/><a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/exturl/http/www.christianvogler.ch/">http://www.christianvogler.ch/</a><br/>31.07.2008, 15:31<br/>Irgendwie witzig eine 1 August Beitrag an zwei ausl&#xE4;ndischen Kulturschaffenden aufzuh&#xE4;ngen.<br/>
<br/>
Herzliche Gratulation zu Ihrer etwas unorthodoxen Rede, Herr Leuenberger<br/><br/></p><p>1-5&#xA0;/&#xA0;
			  <a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/diverses/erste-1-august-blog-rede.html&#38;page=19">99</a><br/><a href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/diverses/erste-1-august-blog-rede.html&#38;page=1#comments">weiter &#xBB;</a></p><p align="center"><br/>- KOMMENTAR VERFASSEN -</p><p><fieldset>Name<br/><input name="commentauthor" emptyok="true"/><br/>Email<br/><input name="commentauthoremail" emptyok="true"/><br/>Url<br/><input name="commentauthorurl" emptyok="true"/><br/>Kommentar<br/><input name="commentcontent" emptyok="true"/><br/></fieldset><br/><anchor><go href="http://www.moritzleuenberger.net/mobile/diverses/erste-1-august-blog-rede.html" method="post"><postfield name="ID" value="85"/><postfield name="action" value="moblog"/><postfield name="moblog[comments][comment_author]" value="&#36;commentauthor"/><postfield name="moblog[comments][comment_author_email]" value="&#36;commentauthoremail"/><postfield name="moblog[comments][comment_author_url]" value="&#36;commentauthorurl"/><postfield name="moblog[comments][comment_content]" value="&#36;commentcontent"/><postfield name="moblog[comments][comment_autobr]" value="on"/><postfield name="moblog[comments][_submit]" value="OK"/></go>OK</anchor><br/></p><p align="center">- NAVIGATION -</p><p><a href="/mobile">Weblog Home</a><br/><a href="/mobile/latestcomments">Letzte Kommentare</a><br/><a href="/mobile/all">Kategorien</a><br/><a href="/mobile/galleries">Galerien</a><br/><a href="/mobile/blogroll">Links</a><br/><a href="/mobile/archive">Archiv</a><br/><a href="#top">Nach oben</a><br/><a href="#bottom">Nach unten</a><br/><a href="/mobile/about">&#xDC;ber mich</a><br/></p><p align="center">- META-NAVIGATION -</p><p><a href="http://home.kaywa.com/mobile">Portalog Home</a><br/><a href="http://register.kaywa.com/mobile">Registrieren</a><br/><a href="http://help.kaywa.com/mobile">Hilfe</a><br/><a href="http://about.kaywa.com/mobile">Impressum</a><br/><a href="http://tos.kaywa.com/mobile">AGB</a><br/></p><p>&#xA9; 2004-2006 Kaywa AG. Alle Rechte vorbehalten.</p></card></wml>
