[Version française: Hommage à Mike van Audenhove]

Mike van Audenhove

Donnerstag las ich Zeitung anders: Schnell klaubte ich den Züri-Tipp aus dem Tagi und suchte sofort den Comic. Ich genoss die Zeichnungen von Mike langsam und ausführlich, gab mir Mühe, nicht auf das Ende zu schielen, um die Pointe so lange als möglich hinauszuschieben. Wie oft habe ich dann die Seite herausgerissen, sie anderen gezeigt und die Freude mit ihnen geteilt. Wie oft habe ich den Witz adoptiert und weitererzählt:

  • Zwei Leute, die intensiv am Handy quatschen, und sich später, als sie sich gegenüberstehen, nichts mehr zu sagen wissen.
  • Der Afrikaner, der auf dem Bahnperron die Welt nicht mehr versteht, weil sich alle über eine Zugsverspätung von drei Minuten grün und blau ärgern.
  • Wie oft habe ich mich auch selber erkannt, noch letzte Woche in jener Frau, die krampfhaft nach einem entfallenen Namen sucht, der bei ihr dann viel später plötzlich wie ein Komet einschlägt.

Derart liebevoll liess ich mich gerne karikieren. Mike hat uns als eine Zürcher Familie gezeigt, die sich jede Woche wieder erkannte und sich gegenseitig immer wieder lieb gewann, wie Mike uns alle gerne hatte.

Donnerstag lese ich die Zeitung künftig anders: Wehmütig werde ich Mike und seine Comics vermissen.


Moritz Leuenberger