[Version française Quelques considérations sur le blog]

Der Blog ist nichts anderes als das Sääli im Leuen (Quelle: Flickr/digital_cat)

Der Blog ist nichts anderes als das Sääli im Leuen (Quelle: Flickr/digital_cat)


Liebe Bloggerinnen und Blogger,

Da Ihr von wissenschaftlichen Studien über unseren Blog auch ein wenig betroffen seid, will ich niemandem vorenthalten, wie ich mich kürzlich zu unserem Verhältnis äusserte und schalte daher einen Link auf das Interview, das die Forschungsstelle für Informationsrecht der Universität St. Gallen mit mir durchführte. Da das Schema dieses Interviews nicht alle meine Gedanken abdeckt und da einige Antworten wohl auch etwas erklärungsbedürftig sind, erlaube ich mir noch einige Ergänzungen:
  • Ich antworte, die Zahl der Besucher sei stets angewachsen. Konkret sieht das bis jetzt so aus
    • durchschnittlich 2780 Besucherinnen und Besucher pro Tag
    • wobei diese Besuche von Oktober 2007 bis Juni 2008 stets anstiegen (in den Sommerfeien werden sie dagegen wohl wieder zurückgehen, denn auch ein Blog kennt das Sommerloch)
    • 70 Beiträge
    • 5230 Kommentare
    • Über eine Million Besucher seit Juli 2007.
  • Ich brauche in den Antworten den Vergleich mit einer öffentlichen politischen Veranstaltung in einem Sääli. Ich möchte betonen, dass ich das nur als Grundsatzvergleich sehe, weil ich nämlich überzeugt bin, dass sich die Kommunikationsformen zwischen den Menschen nicht grundsätzlich ändern, sondern sich nur mit technologischen Neuerungen einerseits beschleunigen (die Zeit zwischen Mitteilung und Empfang hat sich auf Null reduziert) und andererseits potenzieren (die Zahl der möglichen Empfänger ist durch Satelliten und Internet nicht mehr geographisch beschränkt). Diese Umstände verändern natürlich die Kommunikationsteilnehmer, und deswegen sind Beiträge und Kommentare in einem Blog inhaltlich nicht einfach dasselbe wie Voten in einer öffentlichen politischen Versammlung. So wie die Besucher im Sääli, in dem eine Abstimmungsvorlage diskutiert wird, sich vorher im Bundesbüchlein oder in persönlichen Gesprächen vorbereiten, so hat sich eine Kommentatorin oder ein Kommentator über eine lange Zeit in anderen Blogs und im Internet informiert und sie geben Teile dieses Wissens preis. Es ist dieses Wissen, dass ich in den Kommentaren meines Blogs dann wieder finde, was ich immer wieder als eine persönliche Bereicherung lobe.
  • In diesem Sinne bin ich natürlich nicht ein typischer „Blogger“, weil ich nur selten andere Blogs besuche. Ich beschränke mich im Wesentlichen auf meinen eigenen Blog. (Würde ich das nicht, wären all die Fragen nach der Zeit, die ich dafür aufwende, noch bohrender).
  • Zu einer öffentlichen Veranstaltung im Sääli kann jedermann kommen. Gelegentlich tauchen dort Gruppen auf, die eine eigene Meinung, die mit dem angekündigten Thema vielleicht nicht oder nur am Rande zu tun hat, loswerden wollen. Das empfinde ich in unserem Blog ähnlich. Es haben sich bei uns immer dann andere Besucher mit einem anderen Stil von Kommentaren gemeldet, wenn ein Beitrag von mir in einem anderen Medium kommentiert und zu diesem Zwecke „zugespitzt“, um nicht zu sagen manipuliert wurde. Das war besonders deutlich beim Beitrag über die mir bezahlte Parkbusse und bei demjenigen über die Hollandfans. Diesen letzten Beitrag verstand ich als eine liebevolle Beobachtung der mir sehr sympathischen Niederländer, die zwar etwas gar laut waren. Aber sooo unglaublich hat mich das auch nicht gestört und ich glaube, ich habe das auch gar nicht geschrieben. Es folgten dann aber Zeitungsartikel mit der der Blogadresse in „20 Minuten“ unter dem Titel „Euromuffel Leuenberger“ und Blick gab ohne jede Grundlage noch eines drauf: „Leuenberger findet Holländer blöd“. So meldeten sich dann ganz andere Teilnehmer, die sonst nicht bei uns sind, und der Stil veränderte sich ja derart, dass einige von den regelmässigen Besuchern sich enttäuscht abwenden wollten. Wie ich jetzt aber erleichtert feststellen konnte, sind sie dennoch treu geblieben und ich freue mich darob.
  • Die Besucher meines Blogs und insbesondere die Aktiven, welche Kommentare schreiben, bilden dennoch nicht eine geschlossene Gemeinde. Ich sehe sehr wohl, dass sich andere zu Wort melden, wenn ich mich zu kulturellen Erlebnissen äussere als bei politischen im engeren Sinne. Bei kulturellen Ereignissen sind es dann durchschnittlich auch auffällig weniger Besucher als insbesondere bei umwelt- oder energiepolitischen Themen. Dort diskutieren die Besucher dann auch wirklich sehr engagiert untereinander.
Ich habe im Moment noch die Schlusswoche vor der „sitzungsfreien Zeit“ des Bundesrates. Alle Anfragen nach meinen Ferienplänen habe ich wahrheitsgemäss beantwortet und erklärt, dass ich noch nichts weiss. Das heisst, ich weiss auch nicht, wann und in welchen Abständen ich Beiträge im Blog schreibe. Sind es mehr als während der vollen Arbeitszeit oder sind es weniger? Ich lasse mich von mir selber überraschen.

Aber guten Gewissens kann ich dennoch sagen:

Bis bald

Moritz Leuenberger