[Version française Festival du film de Locarno]

Mit geblähter Blogerbrust ob der Auszeichnung für den Juliblog von Claude Lonchamp auf www.stadtwanderer.net/blog besuche ich nach Palagnedra das Filmfestival Locarno, allerdings nicht dessen zahlreiche Sponsoren- und Politanlässe, sondern nur die allabendlichen Vorführungen auf der Piazza. Vor der Aufführung eines Filmes präsentieren sich in der Regel noch kurz der Regisseur oder einzelne Schauspieler und ich kann nie recht verstehen, warum sie sich auf diesen Auftritt vor immerhin etwa siebentausend Zuschauern nicht vorbereiten, sondern immer die gleichen Sätzlein stammeln, wie „it’s great to be here.“ Die Leistungen in den anschliessenden Filmen sind glücklicherweise etwas professioneller, wie zum Beispiel „J’ai toujours rêvé d'être un gangster“ (Samuel Benchetrit, 2006), wo dem Regisseur, obwohl er vor dem Piazzapublikum eigentlich nichts zu sagen wusste, wundeschöne Dialoge in einzelnen Handlungssträngen gelingen, die sich je mit liebenswürdigen Kleinkriminellen befassen, und alle an einem Ort, einer Autobahnraststätte zusammenfinden, allerdings ohne dass sie dort noch weiter inhaltlich zusammengeknüpft würden.

Mühe machte mir hingegen „Death at a funeral“ (Frank Oz, 2007), wo unter anderem ein körperlich Behinderter ein Homosexueller und ein ganz böser Erpresser ist, so dass er unter dem Piazzagelächter geknebelt, mit Psychopharmaka überdosiert und schliesslich in einen Sarg gestopft werden darf (sorry, jetzt hab ich das lustigste verraten, aber das ist ganz im Sinne des Filmes, denn es werden alle Spässe dreimal angekündigt, zweimal wiederholt und dann noch einmal erklärt).

Auch „Le voyage du ballon rouge“ (Hou Hsiao-Hsien 2007) erklärt sich mit dem durch Paris schwebenden Ballon beinahe etwas zu deutlich, denn die Atmosphäre um ein Kind und seine alleinerziehende Mutter, die ihm allen finanziellen und nachbarlichen Schwierigkeiten zum Trotz eine Ausbildung und ein Zuhause in der Kleinwohnung bieten will, wird eindrücklich genug geschildert, wenn auch auf jede Spannung steigernde Dramaturgie verzichtet wird, was zumindest etwas gewöhnungsbedürftig und also mit dem einen oder anderen Gähnen quittiert wurde.

Doch all die Filme kommen ja bald in die Kinos und Sie können sich selber eine Meinung bilden.

Bis demnächst in diesem blog.

Moritz Leuenberger