[Version française Bonheur et stabilité politique]

10. Dezember 2003 in der Vereinigten Bundesversammlung: Der Bundesrat wird vereidigt. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)
10. Dezember 2003 in der Vereinigten Bundesversammlung: Der Bundesrat wird vereidigt. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Mit der Welle von Hokusai als Illustration in meinem letzten Beitrag wollte ich eigentlich die konkreten Überschwemmungsgefahren von Naturkatastrophen mit den wogenden Emotionen der aktuellen Diskussionen um die Aufbewahrung der Waffen in Verbindung bringen. Doch nun symbolisiert sie ganz eindeutig die geballte Kraft der Kommentare. Diese erheben sich nicht nur im Umfang, sondern auch in ihrer argumentativen Differenzierung hoch über meinem Beitrag über Glück und Politik. Allerdings, das möchte ich doch gerne festhalten, habe ich meinen Beitrag durchaus im Sinne der weiter gedachten, kritischen Anmerkungen verstanden: Dass „Glück“ in der politischen Diskussion durch „definierte soziale Wertmassstäbe“ konkretisiert werden muss (Andreas Stäubli), ist mir natürlich auch klar und mit den Beispielen Gesundheit, Wohlstand etc, habe ich erste solche Konkretisierungen genannt. Diese werden selbstverständlich in jedem einzelnen Bereich weiter genauer umschrieben und definiert, womit dann die politische Diskussion beginnt. Das ist auch die Antwort an Lisa, welche der staatlichen Verantwortung für Rahmenbedingungen zugunsten individueller Lebensgestaltung misstrauisch gegenüber steht. Dass nur ein totalitärer Staat die Menschen zu ihrem Glück zwingen will (Anzahl der erlaubten Kinder pro Ehe, Freizeitgestaltung oder „schön und ruhmreich ist es, für das Vaterland zu sterben“ etc), habe ich ja auch gesagt. In der politischen Ausgestaltung dieser Rahmenbedingungen steht immer die Freiheit der einen gegen die Sicherheit der anderen, handle es sich nun um die Aufbewahrung von Waffen, um Geschwindigkeitsbeschränkungen auf der Strasse oder um den Schadstoffausstoss durch motorisierte Fahrzeuge. Dabei fällt auf, dass nach jedem Unfall, nach jeder Katastrophe die Bereitschaft, die Freiheit zugunsten der Sicherheit einzuschränken bedeutend grösser ist als in ruhigen Zeiten. Nimmt das abstrakt berechenbare Risiko einmal Gestalt an und zeigt uns Verwüstung und Tod, erheben sich sofort die Vorwürfe an die Verantwortlichen, nicht schon längst Vorschriften erlassen zu haben (Überlingen, Höngg). Ein abstraktes Programm wie „via sicura“ hat es demgegenüber schwieriger. Gerade deswegen braucht es aber eine konstante Politik, welche nicht nur auf (berechtigte) Empörungen reagiert, sondern mit abstrakten Risikoanalysen arbeitet.

Insofern ist es bemerkenswert, dass die Glücksforschung ergab, dass stabile politische Verhältnisse zum Wohlbefinden der Menschen beitragen. Auch die Wirtschaft hat in der Regel lieber stabile Verhältnisse, selbst wenn sie sich einzelne Minister durchaus gerne wirtschaftsfreundlicher vorstellen könnte. Zu wissen, woran sie ist, ist für sie der grössere Vorteil, als ständige politische Wechsel.

Und so wollen wir doch mal sehen, welche Rahmenbedingen die Schweizerische Bundesversammlung für das Glück der Bürgerinnen und Bürger nächsten Mittwoch schaffen wird. Das lässt sich unschwer messen. Mit einem Vergleich der Zusammensetzung des Bundesrates Anfang und Ende dieser Woche.

Bis bald

Moritz Leuenberger