[Version française Toute chose prend du temps]

Sanduhr

Kommentar im laufenden Blog zu meinem letzten Beitrag: „Der hat doch vor lauter bloggen keine Zeit für die Politik.“

Während einer zweitägigen Kommissionssitzung (letzte Woche): „Schade um Ihre Zeit, diese Auseinandersetzungen anhören zu müssen. Sie müssten sich doch sicher auf die Bundesratssitzung vorbereiten.“

„Ich muss Sie jetzt wieder verlassen,“ sagt ein Botschafter nach 10 Minuten, „Ihre Zeit ist kostbar.“

„Wir sind stolz, dass Sie sich Zeit nehmen, für eine politische Diskussion eigens nach Brig zu reisen.“ (Brig, 25. Februar)

Der Brief eines besorgten Bürgers (letzte Woche) beginnt mit: „Sie werden ja doch keine Zeit haben, diesen Brief selber lesen…“

Als Einleitung zu einer Sitzung mit einem Interessenverband (letzte Woche): „Sie hatten kaum Zeit gehabt, unsere Anliegen zu lesen.“

„Wir hätten gar nicht geglaubt, dass Sie Zeit haben für ein längeres Interview.“ (zum Interview in „Sonntag“ am 24. Februar)

Zu meiner Rede 175 Jahre Uni (29.Februar): „Wer schreibt Ihnen diese Reden. Sie haben doch selber sicher keine Zeit neben der politischen Arbeit?“

Nach meiner Rede zur Emeritierung von Prof. Peter Forstmoser (1. März) : „Und Sie nehmen sich Zeit für eine Rede, an der keine Medien sind?“

Nach meinen Glückwünschen zur Wahl Levrats zum neuen SP Präsidenten (1. März): „Woher nimmst Du denn die Zeit, bis am Schluss des Parteitages zu bleiben, wo Du doch so viele Dossiers hast?“

Der Bitte, „Lüge, List und Leidenschaft“ zu signieren (Basel, 1. März)), folgt die Frage: „Woher nehmen Sie die Zeit, trotz Ihrer politischen Arbeit ein Buch zu schreiben?“

In der Warteschlange vor dem Kino (Sonntag, 2. März): „Und Sie haben also Zeit, ins Kino zu gehen.“

Auf dem Flughafen in Zürich: „Schön, dass Sie sich die Zeit nehmen, an die internationale Konferenz für erneuerbare Energien zu gehen.“ (3. März)

Was ist denn die Arbeit eines Bundesrates?

Am besten zählen wir die oben aufgeführten Tätigkeiten zusammen. Das ergibt keinen schlechten Überblick. Ja, das Kino gehört auch dazu, übrigens auch die Bundesratssitzungen und ihre Vorbereitungen und die Führung des Departements, doch da wurde ich noch nie nach der Zeit gefragt. Und manchmal gehört auch nichts tun und etwas nachdenken zu meinem Beruf, doch dabei werde ich selten öffentlich ertappt.

So nehme ich mir denn Zeit bis zum nächsten Mal.

Moritz Leuenberger