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Ban Ki-moon, der Generalsekretär der UNO, und Bundesrat Moritz Leuenberger an der Feier zum 20jährigen Bestehen des IPCC (KEYSTONE/Dominic Favre)
Bild: Ban Ki-moon, der Generalsekretär der UNO, und Bundesrat Moritz Leuenberger an der Feier zum 20jährigen Bestehen des IPCC (KEYSTONE/Dominic Favre)

Nein, nicht die direkte Begegnung mit Bloggern verzögerte meinen neuen Beitrag, sondern das folgende Programm. Ich belege das gerne mit einem gerafften Tagebuch:

  • Nach dem Blogcamp besuchte ich Martin Suters Geburtstagsfeier und traf dort Stephan Eicher wieder, der mir 2001 bei der UNO-Abstimmung geholfen hat. Er trat damals in Biel in einem grossen Konzert mit Musikgruppen aus allen Kontinenten auf, Kofi Annan und ich sprachen zum UNO – Beitritt der Schweiz.
  • Nach Suter und Eicher reiste ich letzte Woche zum Nachfolger Kofi Annans, zu Ban Ki Moon nach Genf. Dort feierte die UNO den 20. Geburtstag ihres Weltklimarates IPCC. Ich erklärte die Schweizerische Idee einer verursachergerechten Finanzierung der weltweiten Klimaschäden (Beiträge der Länder gemäss effektivem CO2-Ausstoss) und propagierte die Kandidatur von Thomas Stocker in den IPCC.
  • Dieser ist am 4. September tatsächlich gewählt worden, worüber wir uns wirklich freuen dürfen, denn es gab auch andere Kandidaten aus grossen Ländern.
  • An jenem Anlass sass ich neben dem Präsidenten der IPCC, Rajendra Pachauri. Wir assen beide fleischlos und Pachauri hat ja soeben in London aus klimapolitischer Sicht zu Fleischverzicht aufgerufen. Er rechnete vor, wie viel Wasser und wie viel Getreide für ein Kilo Fleisch verwendet werden muss und was das für die Armen dieser Welt bedeutet. Ich bin froh um diese Rationalität. Es ist nämlich oft unerträglich, welche empörten Belehrungsversuche und welche Glaubenskriege erfolgen, wenn am Esstisch die Sprache auf Fleischverzicht kommt.
  • Von Pachauri reiste ich direkt weiter nach La Rochelle, wo ich an der informellen EU-Verkehrsministerkonferenz teilnahm. Die Ausmasse einer solchen Konferenz sind jeweils gigantisch. Zwar gibt es nur etwa 30 Minister, doch mit den begleitenden Stäben sind dann bald ein paar hundert Leute anwesend.
  • Es ging um die Euro-Vignette, das heisst darum, ob und bis zu welchem Betrag eine Art LSVA in den EU-Ländern eingeführt werden darf. Die Haltungen gehen innerhalb der EU sehr weit auseinander. Die Alpenländer streben eine Regelung wie die schweizerische an. Griechenland und Spanien dagegen möchten gar keine Belastungen. Holland will ein flächendeckendes Roadpricing auch für Privatwagen. Die Erfahrungen mit der schweizerischen LSVA waren also besonders gefragt, während ich beim folgenden Traktandum, der Seeschifffahrt, nicht unbedingt spezialisiert war....
  • Es folgte ein Gespräch mit dem deutschen Verkehrsminister zu den harzigen Gesprächen über die effektive Lärmbelastung beim Flughafen Zürich.
  • Von La Rochelle zurück an eine Pressekonferenz gegen die Initiative zur Abschaffung des Verbandsbeschwerderechts, gefolgt von einem skurrilen Communiqué von der offenbar neu gegründeten Fiala Doris Partei.
  • Nach jener Medienkonferenz ein kleiner Auftritt in Wil über Moral und Ethik in Politik und Wirtschaft mit einer kompetenten und ausgezeichnet vorbereiteten Susanne Wille.
  • Von dort nach Glion zu einem Seminar unseres Departementes über die künftige Finanzierung von Infrastrukturen (all die Manager unserer Betriebe assen zu meinem Erstaunen kein Fleisch).
  • Auch ein privates Vergnügen hatte ich: Im Stadttheater Luzern läuft die beste Don Giovanni-Aufführung, die ich je sah (Inszenierung Stephan Müller, Bühnenbild Werner Hutterli, Don Giovanni Tobias Hächler).
  • Ach ja und dann noch die Sonntagszeitungen: Andrea Hämmerle verlangt den Rücktritt der fünf amtsältesten Bundesräte. Was tun mit dem Ratschlag meines treuen und langjährigen Weggefährten? Beim Nationalpark und bei der Verlagerungspolitik hat er mir immer wieder als Vorbild gedient. Er ist seit 1991 Nationalrat und bleibt voraussichtlich bis mindestens Ende dieser Legislatur und so ist es sicher das Beste, ich folge auch hier seinem Vorbild. Dann bleiben wir uns freundschaftlich erhalten.

Bis bald

Moritz Leuenberger