[Version française: Slumdog]



Nun hat also Slumdog Millionaire kräftig Oscars abgeräumt. Als Folge wird er noch grössere Zuschauer anlocken und noch mehr diskutiert werden. Obwohl ich ja Filme und Theaterstücke immer politisch sehe, habe ich, ganz ehrlich gesagt, die politische Brisanz des Filmes etwas unterschätzt. Schon nur der Titel: Dass Slumdog ja wörtlich Slumhunde heisst und also Slumbewohner beleidigen muss, habe ich erst anlässlich der jetzigen Polemik richtig realisiert. Kenner wehren sich zum Beispiel gegen die Sequenz, in der ein Junge geblendet wird, damit er als Bettler mehr einträgt. „So etwas gibt es bei uns nicht.“, sagen sie. Dass für Inder zudem die Szene, in der ein Junge aus einer Latrine in einen Kothaufen springt, ebenfalls eine Beleidigung sein muss, leuchtet uns im Westen, die wir bei der Szene naiv und unpolitisch schmunzeln, auch erst ein, wenn wir erfahren, dass es gar keine derartigen Kothaufen gebe.
„Vieles hat sich ja bei uns zum Besseren gewandelt“, betonen Sozialarbeiter, die in indischen Slums arbeiten. Es ist offensichtlich: Viele wollen die grossen Probleme im Land lieber selber regeln als unter dem spöttischen Gelächter der ganzen Welt.
Hand aufs Herz: Das geht auch anderen so.

Bis bald

Moritz Leuenberger