© GETTY / Peter Macdiarmid
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[Version française: Critiqueurs et autres éditorialistes]

Einige der letzten Kommentare rechnen anderen hämisch vor, wie sie, die sie sich bemühen, ein Teil ihres privaten Lebens ökologisch zu gestalten, letztlich eben doch inkonsequent blieben.

Wenn wenigstens eine Alternative, eine bessere Idee präsentiert würde. Aber nein, es bleibt beim genüsslichen Vorrechnen, dass konsequentes ökologisches Verhalten gar nicht möglich sei, dass auch die, welche Strom sparen, umweltschonend Auto fahren oder kein Fleisch essen, beteiligt seien an der Zerstörung unserer Umwelt.

Gewiss leben wir in einer derart vernetzten Welt, dass wir mit allem, was wir essen und trinken, indirekt beitragen zu grauer Energie, indirekt von Kinderarbeit in Entwicklungsländern profitieren, Produkte konsumieren, die dank der Zerstörung von Regenwäldern entstanden. Oft wissen wir das alles gar nicht, denn wir können die komplizierten Zusammenhänge kaum erkennen und je mehr wir die realen wirtschaftlichen und politischen Verwebungen entwirren wollen, desto hilfloser verstricken wir uns selber. Und tragen nicht auch die Nacktwanderer Schuhwerk, für dessen Leder ein Tier sein Leben liess oder dessen Sohlen aus Kautschuk gefertigt sind, der wiederum eine Bedrohung von Tierarten darstellt? Es gibt eine Nummer von Franz Hohler über einen, der es konsequent versuchen will und am Schluss im Urwald landet und auf den Bäumen lebt.

Kann denn einer Idee oder einem Aufruf jede Glaubwürdigkeit schon nur deshalb abgesprochen werden, weil sein Urheber als Mensch eben auch in die globale Abhängigkeit verstrickt ist? Dürfte also, wer selber Auto fährt, gar nicht mehr die Reduktion des Autoverkehrs empfehlen? Und darf das Bemühen, einen eigenen kleinen Beitrag an eine Welt, wie wir sie uns vorstellen, nur deshalb lächerlich gemacht werden, weil er so klein ist?

Ich habe noch im Ohr, wie einem fünfjährigen Buben, der sein Taschengeld für Elefanten in der Serengeti spenden wollte, vorgerechnet wurde, so wenig Geld nütze gar nichts, die Überweisungsspesen seien grösser als der Betrag, und wie dem Kind so jeder Mut genommen wurde, selber etwas Sinnvolles für die Welt zu tun. Ich kenne die Argumentation gegenüber denen, die sich im eigenen Verhalten um Reduktion des CO2 Ausstosses bemühen: „Nützt alles doch nichts. Seht doch mal den CO2 Ausstoss in indischen Städten.“

Einerseits wird jedes individuelle Bemühen der Lächerlichkeit preisgegeben, weil es die ganz grosse Veränderung nicht schaffen kann und andererseits wird jedes Bestreben nach systemischer Änderung als unglaubwürdig hingestellt, weil die Urheber der Idee diese nicht gleich selber als gute Beispiele vorleben.

Ist das letztlich nicht ein nihilistisches Denken? Was bringt es, jede Idee mit ihrer Unvollkommenheit zu konfrontieren, und es genüsslich bei dieser Feststellung zu belassen, ohne selber an einer besseren Lösung zu helfen?

Da lob ich mir all die Menschen, die sich einsetzen mit eigenen Beiträge, und seien sie noch so klein, mit eigenem Verzicht, und sei er noch so unvollständig, mit eigenem Verhalten, selbst wenn sie dabei inkonsequent bleiben. Da lob ich mir all die Menschen, die Ideen und Visionen entwickeln und wagen, sie politisch umsetzen zu wollen, selbst wenn sie dabei scheitern. Sie sind mir lieber als die zynischen Kolumnisten und Kommentatoren, die sich genüsslich zurücklehnen und immer schon wussten, dass man die Welt nicht verändern kann.

Bis bald

Moritz Leuenberger