Fertig Indianerlis!
[Version française: Fini les histoires d'indiens]

Bild: karlmayusa.com
Der letzte Beitrag verzeichnete einen Besucherandrang wie die Winnetoufilme mit Pierre Brice und Lex Barker, die ich in meiner Kindheit alle gesehen habe. Selbst Medien reagierten. „Sonntag“ übernahm den Beitrag gleich als Gastkolumne. Die Weltwoche befasste sich beinahe staatsmännisch mit dem Thema und ist über den Nazivergleich von Nationalrat Müller empört, erwähnt aber mit keinem Wort ihre eigene Entgleisung, mich als „Gestapo“ zu betiteln. Der „unbekannte Spassvogel“, dessen Fotomontagen von uns Bundesräten in Indianermontur ich nutzte, meldete sich bei mir mit neuen, herrlichen Bildern. Ich müsste sie eigentlich veröffentlichen und ich sollte, wie mir vielfach geraten wird, ohnehin das Thema fortsetzen.
Wäre da nicht auch der Kommentar von Garry Ladouceur mit link auf seine eigene homepage.
Selber indianischer Abstammung aus Nordamerika, erinnert er an den Genozid an seinem Volk und wundert sich, wie unbekümmert wir hier unsere Clichévorstellungen von Indianern pflegen. Da fühle ich mich gleich etwas durch meinen eigenen Text vorgeführt: Je weiter Worte verbreitet werden, desto stärker wirken sie, desto grösser müsste die Verantwortung, desto zurückhaltender sollten Unbekümmertheit, Spass oder gar Ironie sein.
Aber zur Erklärung an Garry: Wir lernten als Jugendliche Indianer nur aus der romantischen Optik eines Karl May kennen oder eines James Cooper, der, wie ich erst später entdecken sollte, aus der verblendeten Kriegsoptik der damals noch nicht vereinigten Staaten von Amerika die Indianer entweder verteufelte oder idealisierte, je nachdem, ob sie für die Engländer oder die Franzosen nützlich waren. Karl May galt bei unseren Eltern und Lehrern als Scharlatan und wir lasen ihn nur heimlich. Coopers Lederstrumpf hingegen galt als gute Literatur. Zufällig warf ich in späteren Jahren wieder einen Blick in diesen Lederstrumpf und musste einen Rassismus und eine mordlüsterne Verachtung gegenüber Indianern feststellen, wie ich es als Kind gar nicht realisiert hatte. Dennoch konnte diese Art von Hetzliteratur uns Kinder offensichtlich nicht wirklich beeinflussen, so wie eine Oper trotz ihrer oft blutrünstigen Geschichten ja auch nicht zu Mord und Totschlag anstiftet. Die historische und kulturelle Bedeutung der Indianer und ihr Schicksal sind mittlerweile aber sehr wohl in unser politisches Bewusstsein gedrungen. So habe ich in der Rede vor den SP Delegierten letzten Samstag die Rede von Häuptling Seattle als Beispiel einer Rede für Nachhaltigkeit erwähnt und ich empfehle deren Lektüre sehr gerne. Dass ich mich dann noch angesichts der vielen jugendlichen Genossen zu einem kleinen Seitenhieblein in guter alter Kinderindianerspielmanier hinreissen liess, und dass ich damit meine eigenen weisen Ratschläge des letzten Blogbeitrages für einen kurzen Augenblick in den Märzennebel blies, möge mir verziehen sein - und all jenen auch, denen es gefallen hat - wir wurden ja schliesslich auch provoziert. Kinderlektüre hat manchmal eben doch eine langfristige Wirkung und obsiegt über spätere rationale Erkenntnisse, aber nur für ganz kurze Zeit. Deshalb gilt ab jetzt:
Fertig Indianerlis!
Bis bald
Moritz Leuenberger

Bild: karlmayusa.com
Der letzte Beitrag verzeichnete einen Besucherandrang wie die Winnetoufilme mit Pierre Brice und Lex Barker, die ich in meiner Kindheit alle gesehen habe. Selbst Medien reagierten. „Sonntag“ übernahm den Beitrag gleich als Gastkolumne. Die Weltwoche befasste sich beinahe staatsmännisch mit dem Thema und ist über den Nazivergleich von Nationalrat Müller empört, erwähnt aber mit keinem Wort ihre eigene Entgleisung, mich als „Gestapo“ zu betiteln. Der „unbekannte Spassvogel“, dessen Fotomontagen von uns Bundesräten in Indianermontur ich nutzte, meldete sich bei mir mit neuen, herrlichen Bildern. Ich müsste sie eigentlich veröffentlichen und ich sollte, wie mir vielfach geraten wird, ohnehin das Thema fortsetzen.
Wäre da nicht auch der Kommentar von Garry Ladouceur mit link auf seine eigene homepage.
Selber indianischer Abstammung aus Nordamerika, erinnert er an den Genozid an seinem Volk und wundert sich, wie unbekümmert wir hier unsere Clichévorstellungen von Indianern pflegen. Da fühle ich mich gleich etwas durch meinen eigenen Text vorgeführt: Je weiter Worte verbreitet werden, desto stärker wirken sie, desto grösser müsste die Verantwortung, desto zurückhaltender sollten Unbekümmertheit, Spass oder gar Ironie sein.
Aber zur Erklärung an Garry: Wir lernten als Jugendliche Indianer nur aus der romantischen Optik eines Karl May kennen oder eines James Cooper, der, wie ich erst später entdecken sollte, aus der verblendeten Kriegsoptik der damals noch nicht vereinigten Staaten von Amerika die Indianer entweder verteufelte oder idealisierte, je nachdem, ob sie für die Engländer oder die Franzosen nützlich waren. Karl May galt bei unseren Eltern und Lehrern als Scharlatan und wir lasen ihn nur heimlich. Coopers Lederstrumpf hingegen galt als gute Literatur. Zufällig warf ich in späteren Jahren wieder einen Blick in diesen Lederstrumpf und musste einen Rassismus und eine mordlüsterne Verachtung gegenüber Indianern feststellen, wie ich es als Kind gar nicht realisiert hatte. Dennoch konnte diese Art von Hetzliteratur uns Kinder offensichtlich nicht wirklich beeinflussen, so wie eine Oper trotz ihrer oft blutrünstigen Geschichten ja auch nicht zu Mord und Totschlag anstiftet. Die historische und kulturelle Bedeutung der Indianer und ihr Schicksal sind mittlerweile aber sehr wohl in unser politisches Bewusstsein gedrungen. So habe ich in der Rede vor den SP Delegierten letzten Samstag die Rede von Häuptling Seattle als Beispiel einer Rede für Nachhaltigkeit erwähnt und ich empfehle deren Lektüre sehr gerne. Dass ich mich dann noch angesichts der vielen jugendlichen Genossen zu einem kleinen Seitenhieblein in guter alter Kinderindianerspielmanier hinreissen liess, und dass ich damit meine eigenen weisen Ratschläge des letzten Blogbeitrages für einen kurzen Augenblick in den Märzennebel blies, möge mir verziehen sein - und all jenen auch, denen es gefallen hat - wir wurden ja schliesslich auch provoziert. Kinderlektüre hat manchmal eben doch eine langfristige Wirkung und obsiegt über spätere rationale Erkenntnisse, aber nur für ganz kurze Zeit. Deshalb gilt ab jetzt:
Fertig Indianerlis!
Bis bald
Moritz Leuenberger



17 Kommentare
Danke für Ihren Blogbeitrag. Die Rede von Häuptling Seattle (ich habe sie schon lange nicht mehr gelesen) ist wohl eines der ganz wichtigen Dokumente der Menschheit. Auch Ihre Parteitagrede hat mir ausserordentlich gut gefallen und sie findet zu fast 100 % meine Zustimmung.
Mit freundlichem Gruss
Max Manhart
Nach diese Entdeckung guckt meine Wenigkeit hier aber ab sofort regelmässig rein. Ist ja schliesslich seit Ogi der erste BR den ich wirklich zu schätzen weiss.
Tolle Idee mit dem Bloggen! Dran bleiben! Das nenn ich volksnah. Danke :-)
Elli
Rede und Film haben mich als Kind sehr stark beeinflusst, vielleicht mit ein Grund, wieso ich heute bei den Grünen bin... Eine ähnliche Wirkung hatte vor 1, 2 Jahren der Film Manufactured Landscapes.
http://hirnentleerung.blogspot.com/
Es wurde eine der interessantesten und naturverbundesten Volksgruppen so gut wie ausgelöscht. Es ist immer gut, wenn daran erinnert wird.
Und zu Ihrem Blog: bitte weiter so, immer mit einem Augenzwinkern durch das Leben und einem Lächeln über die Hürden ;-)
Ich finde es nicht ganz unbedenklich die Rede des Häuptling Seattle zu politischen Zwecken zu 'missbrauchen'.
Der Grund ist folgender: Es steht seit langem fest, dass diese Rede, aus Ihrem Link, aus der Feder eines Weissen stammt und Anfang der siebziger des letzten Jahrhunderts entstanden ist. Und gerade deshalb finde ich es problematisch diese Rede als die Rede eines Indianerhäuptlings zu bezeichnen und zu verwenden. Der Text war damals betrug und ist es heute noch.
Zudem scheinen selbst Sie dem Betrug zu unterliegen, da der angegebene Link die 'Weissagung der Cree' darstellt und nicht die Rede des Häuptlings (obwohl als Rede von Seattle angekündigt). Irgend jemand bringt hier alles Mögliche durcheinander und zwar zu einem einzigen Zwecke wohl - die Manipulation der Leser. Als Beweis für die Weisheit der Rede muss dann der Name eines berühmten Häuptlings herhalten.
Obwohl diese Weissagungen aus ihrem Link sicherlich interessantes zu berichten wissen, denke ich, dass die Worte des Häuptling Seattle sehr viel weiser waren, als das stereotypische Geschwätz eines Umweltschützers und Betrügers.
Wenn Sie natürlich Ihre eigenen Delegierten mit dieser Rede 'aufstacheln', habe ich gewiss nichts dagegen.
Aber da Sie die Lektüre nun hier empfehlen hoffe ich die Leute die diese Rede lesen, werden die nötige Distanz bewahren, denn diese Rede wurde hier von Ihnen als etwas angepriesen, was sie offensichtlich nicht ist - eine Weissagung eines Indianerhäuptlings.
Gruss
Mr. Pink
http://www.scienceblogs.de/zoonpolitiko
P.S.: Ich gestehe natürlich: Ich habe Karl May Bücher verschlungen als Jugendlicher.
http://onkelsammi.blogspot.com/
You honour me with your response. I think if you read my blog,you will clearly see that I did not feel a personal sense of disrepect-although I admit I did see a bit of thoughtlessness.
As I note in many places in my blog, I have always felt fortunate to be Swiss. I love my little country although I was not born here. It is a magnificent place of freedom and this includes the sometime disagreeable task of responding as a citizen to certain things which appear quite funny, appropriate and telling in one argument but which also scatters the playing pieces when the play is done.
I have also read Karl May and watched John Wayne movies. I am very embarrassed to admit this but when we used to play cowboys and Indians I always wanted to be the cowboy because that side was better armed. I of course was always designated on the other side!
With kind Regards
Garry Ladouceur
Ich sage Geist der Rede, weil hier in den Kommentaren bereits wieder die Buchstaben zerpflückt werden. In gewohnt akribischer Manier wird mir erläutert, dass diese Rede weder authentisch ist, noch jemals stattgefunden hat.
Es gibt z.B. auch eine Rede von Sitting Bull, einem Häuptling der Hunkpapa Sioux.
Sitting Bull wurde am 15.12.1890 von Polizisten erschossen - zwei Wochen später erfolgte das Massaker von Wounded Knee.
Aus einer Rede von Sitting Bull:
"Wir gehören der Erde - die Erde gehört nicht uns. Wir müssen diesem wundervollen Geschenk des Universums Sorge tragen. Wir sollten dies aus Einsicht tun. Nicht erst wenn wir am Abgrund der Selbstvernichtung angekommen sind! Die Technik beantwortet nicht alle Fragen. Seit eh und jeh haben die natürlichen Systeme ihren Platz im Universum. Und auch die Schöpfer dieser Systeme haben diesen Platz eingenommen, seit den Anfängen."
Ein Auszug aus der Rede vom Häuptling Seattle (ob echt oder nicht) bestätigt dies:
"Mein Volk ist wie eine ablaufende Flut – aber ohne Wiederkehr. Nein, wir sind verschiedene Rassen. Unsere Kinder spielen nicht zusammen, und unsere Alten erzählen nicht die gleichen Geschichten. Gott ist Euch gut gesinnt, und wir sind Waisen. Wir werden Euer Angebot, unser Land zu kaufen, bedenken. Das wird nicht leicht sein, denn dieses Land ist uns heilig".
Beste Grüsse und ich freue mich, wenn Sie unser (auch Ihres) Volk in ihrer Unabhängigkeit voll unterstützen würden.
http://www.scienceblogs.de/zoonpolitiko
"Mein Volk ist wie eine Flut ohne Wiederkehr"?
"[W]ir sind verschiedene Rassen"?
"Gott ist euch gut gesinnt und wir sind Waisen"?
"Angebot unser Land zu kaufen"?
Sie scheinen nicht im gleichen Land zu leben wie ich und nicht die gleiche Politik zu verfolgen.
Haben sie auch Argumente bereit oder reichen Ihnen die kaum nachvollziehbaren obigen Argumenten, weil keine bessere Metaphern zur Hand sind? Glauben Sie tatsächlich, dass dies die Beziehung der Schweiz zur EU beschreibt?
http://www.bonz.ch
Zeitgeist
es gibt nur eine antwort:
das "Steuerbetrugshinterziehungsschutzgesetz wird vergangenheit" und wir führen eine vermögensverrechnungssteuer von ein Prozent ein.
Grosses Kreuz im engen Kreise spricht;
so wird es sein.
$
es muss so sein...
Zom Thema der heutigen Urbevölkerung Amerikas, speziell der Navajos und Hopis, und ganz im Gegensatz zu Karl May, empfehle ich die informative und äusserst spannende Lektüre von Tony Hillerman's Krimis, zB. Sacred Clowns, Coyote waits, Skinwalkers, the Dark Wind, the Blessing Way, the First Eagle, und viele mehr.
Wo wir doch gerade bei den Minaretten sind: Ich bin dafür, so ein steiles kultisches Objekt auf öffentlichem Platz zu errichten, mit Inschrift:
Zur Erinnerung an Peer Steinbrück.
Hugh!