Küsnacht - München: Wer ist schuld?
[Version française: Küsnacht - Munich: à qui la faute ?]

Schüler aus Küsnacht schlagen einen Passanten bei einer Klassenfahrt nach München grundlos beinahe tot. Sein Augenlicht ist in Gefahr.
Wir sind entsetzt. Wir leiden mit den Opfern. Wir verurteilen die Tat und die Täter. Wir suchen nach Ursachen. Was können wir gegen diese Aggressivität tun? Gegen Amokläufe, gegen Mord- und Totschlag in Schulen und Strassen, sei es in den USA, sei es in Deutschland, sei es in der Schweiz, ausgeübt von Jugendlichen, von unseren Kindern?
In erster Linie müssen die Jugendlichen die Verantwortung für ihr Tun übernehmen. Auch wenn sie noch nicht mündig sind wissen sie sehr genau, was für Folgen ihre Taten haben können. Also sind sie auch verantwortlich für die Straftaten und das Gesetz ist auf sie anzuwenden.
Doch damit allein ist es eben nicht getan, wir möchten ja solche Taten verhindern.
Das Geflecht von Ursachen, die zu gewalttätigem Verhalten führen, ist derart eng gewoben, dass kaum jemand sein Wirken als Mitursache oder gar sich selber als Mitschuldigen betrachtet. Das widerspräche ja aller Vernunft. Was habe ich Lehrer, ich Mitschüler, ich Arbeitgeber, ich Filmproduzent, ich Manager, ich Bundesrat mit dem mörderischen Verhalten von Jugendlichen zu tun?
Sind wir mitschuldig an der Geschichte unserer Zeit?
Ja. Weil die Menschheit als ganzes miteinander verbunden und verstrickt ist, können wir uns nicht nur mit den Erfolgen der Anderen (unserer sportlichen oder politischen Lieblinge) identifizieren, sondern wir können uns auch nicht einfach aus der Schuld der Anderen (unserer kriminellen Jugendlichen) wegstehlen. Wir leben alle in einer kollektiven Beziehung, von der wir uns nicht befreien können. Wir stehen nach einer solchen Tat alle im Licht der Verantwortung.
Wir möchten sinnlose Gewalt ausmerzen. Aber wie?
Auf der Suche nach den weiteren Hintergründen solcher Taten gelangen wir zu Themen wie Perspektivlosigkeit, alltäglicher Gewalt und ihrer Verharmlosung in der Unterhaltung, mangelnder Unterscheidung zwischen Virtualität und Realität, Erziehung in Familie und Schule, Zusammenarbeit zwischen Strafbehörden, Eltern und Schulbehörden. Alle, Videoindustrie, Alkoholproduzenten und entfesselte Wirtschaft, Behörden und Lehrer, Medien und Werbung, jeder und jede ist irgendwo eingebunden und trägt Verantwortung für die Entwicklung der Gesellschaft, in der wir leben.
Diese Erkenntnis darf uns allerdings nicht zum Umkehrkurzschluss leiten, es seien „alle und niemand“ verantwortlich, oder: „Die Gesellschaft ist schuld.“ Das ist nicht nur falsch, sondern vielmehr eben gerade auch eine Folge mangelnder Beziehung und Verantwortung. Statt auf „die anderen“ zu zeigen und darauf, was sie alles falsch gemacht haben, sollten wir uns in unserer jeweiligen Position selber fragen, ob wir alles tun, um Amok, Mord und Totschlag, Autoraser und Sturmgewehrmissbrauch, Gewalt und Aggression zu verhindern. Tun wir genug, um die Verherrlichung von Gewalt zu unterbinden und um Gewalt in Familien und Quartieren zu verhindern? Tun wir genug, damit Jugendliche sich und uns ihre Kräfte so beweisen können, ohne dabei Menschen zu verletzen und zu töten? Dafür tragen wir alle Verantwortung, auch Jugendliche.
Bis bald
Moritz Leuenberger

Schüler aus Küsnacht schlagen einen Passanten bei einer Klassenfahrt nach München grundlos beinahe tot. Sein Augenlicht ist in Gefahr.
Wir sind entsetzt. Wir leiden mit den Opfern. Wir verurteilen die Tat und die Täter. Wir suchen nach Ursachen. Was können wir gegen diese Aggressivität tun? Gegen Amokläufe, gegen Mord- und Totschlag in Schulen und Strassen, sei es in den USA, sei es in Deutschland, sei es in der Schweiz, ausgeübt von Jugendlichen, von unseren Kindern?
In erster Linie müssen die Jugendlichen die Verantwortung für ihr Tun übernehmen. Auch wenn sie noch nicht mündig sind wissen sie sehr genau, was für Folgen ihre Taten haben können. Also sind sie auch verantwortlich für die Straftaten und das Gesetz ist auf sie anzuwenden.
Doch damit allein ist es eben nicht getan, wir möchten ja solche Taten verhindern.
Das Geflecht von Ursachen, die zu gewalttätigem Verhalten führen, ist derart eng gewoben, dass kaum jemand sein Wirken als Mitursache oder gar sich selber als Mitschuldigen betrachtet. Das widerspräche ja aller Vernunft. Was habe ich Lehrer, ich Mitschüler, ich Arbeitgeber, ich Filmproduzent, ich Manager, ich Bundesrat mit dem mörderischen Verhalten von Jugendlichen zu tun?
Sind wir mitschuldig an der Geschichte unserer Zeit?
Ja. Weil die Menschheit als ganzes miteinander verbunden und verstrickt ist, können wir uns nicht nur mit den Erfolgen der Anderen (unserer sportlichen oder politischen Lieblinge) identifizieren, sondern wir können uns auch nicht einfach aus der Schuld der Anderen (unserer kriminellen Jugendlichen) wegstehlen. Wir leben alle in einer kollektiven Beziehung, von der wir uns nicht befreien können. Wir stehen nach einer solchen Tat alle im Licht der Verantwortung.
Wir möchten sinnlose Gewalt ausmerzen. Aber wie?
Auf der Suche nach den weiteren Hintergründen solcher Taten gelangen wir zu Themen wie Perspektivlosigkeit, alltäglicher Gewalt und ihrer Verharmlosung in der Unterhaltung, mangelnder Unterscheidung zwischen Virtualität und Realität, Erziehung in Familie und Schule, Zusammenarbeit zwischen Strafbehörden, Eltern und Schulbehörden. Alle, Videoindustrie, Alkoholproduzenten und entfesselte Wirtschaft, Behörden und Lehrer, Medien und Werbung, jeder und jede ist irgendwo eingebunden und trägt Verantwortung für die Entwicklung der Gesellschaft, in der wir leben.
Diese Erkenntnis darf uns allerdings nicht zum Umkehrkurzschluss leiten, es seien „alle und niemand“ verantwortlich, oder: „Die Gesellschaft ist schuld.“ Das ist nicht nur falsch, sondern vielmehr eben gerade auch eine Folge mangelnder Beziehung und Verantwortung. Statt auf „die anderen“ zu zeigen und darauf, was sie alles falsch gemacht haben, sollten wir uns in unserer jeweiligen Position selber fragen, ob wir alles tun, um Amok, Mord und Totschlag, Autoraser und Sturmgewehrmissbrauch, Gewalt und Aggression zu verhindern. Tun wir genug, um die Verherrlichung von Gewalt zu unterbinden und um Gewalt in Familien und Quartieren zu verhindern? Tun wir genug, damit Jugendliche sich und uns ihre Kräfte so beweisen können, ohne dabei Menschen zu verletzen und zu töten? Dafür tragen wir alle Verantwortung, auch Jugendliche.
Bis bald
Moritz Leuenberger


