Sonnenflugzeug - Baumeister - Kunst: Eine Rundreise durch drei Schweizer Welten

Letzten Freitag drei Anlässe an einem Tag, sie hätten unterschiedlicher nicht sein können:
- Erster Anlass: Solar Impulse in Dübendorf. Bertrand Piccard und sein Partner André Borschberg präsentieren das erste Solarflugzeug, das die Erde ohne jeden fossilen Treibstoff umrunden soll. Ein globalisierter Grossanlass. Medienvertreter aus allen Kontinenten. Minutiöse Inszenierung mit den CEOs der Sponsorfirmen. Alles verbreitet sich auf Hunderten von TV- und Internetkanälen. Die perfekte Vermarktung für ein wichtiges Symbol, für die Solarenergie und für schweizerischen Pioniergeist. Beim Fotoshooting zupft der Omega-Chef Piccards Ärmel hoch, damit die Welt seine Uhr am Handgelenk auch sieht. Jo Ackermann preist die Deutsche Bank als nachhaltiges Institut an. Auch mein Auftritt: kurz, einschlägig, suggestiv. Die mehr oder weniger selben Sätze nachher noch in unzählige Mikrophone. Immer wieder mischen sich auch Fragen zu Michael Jacksons Tod darunter. „Natürlich bin ich nachdenklich“, sage ich, „doch er war nicht der Typ, der leben mochte; erinnerte mich stets auch an Tut ench Amun, den Pharaonenkönig, der ewig jung sein wollte. Nun ist auch Michael Jackson jung in die Ewigkeit.“ Auch solche Sätze gehen jetzt zusammen mit dem Bekenntnis zur Solarenergie in den Äther. Ein Anlass, der die Schweiz mitten in der Welt und ihrem Geschehen zeigt, an dem unser Land auch teilhaben und es prägen will.
- Ganz anders der zweite Auftritt: Schweizerischer Baumeisterverband. Marschmusik, wohl überwiegend bürgerlich orientierte Berufsleute, die sich von mir die Verwandtschaft zwischen Realpolitik und Baumeisterei, insbesondere aber die Konjunkturlage und die Finanzierung unserer grossen Bauvorhaben darlegen lassen. Konstruktive, fröhliche Atmosphäre. Wohl kennen wir unsere Differenzen (Partikelfilter an Baumaschinen, Verbandsbeschwerde), doch wir sprechen sie an und beide Seiten wissen: Die Schweiz entwickelt sich dank des politischen Kompromisses.
- Nochmals eine andere Schweiz beim dritten Anlass: Kunstausstellung Trubschachen im Emmental. Sage und schreibe achthundert Menschen kommen zur Eröffnung einer Ausstellung über klassische Kunst. Fast vierhundert Freiwillige haben in unzähligen Stunden für diese Ausstellung gearbeitet. Die Kunst ist in die Region geholt worden, geliehen von privaten Besitzern und grossen Museen. Ein symbolischer Anlass für den Einsatz der Bürgerinnen und Bürger für die Schweiz und ein symbolischer Anlass zugleich für die grosse Bedeutung der Kultur als Kitt und als die bedeutendste Infrastruktur unserer Gesellschaft.
Eine Rundreise durch drei Schweizer Welten, die an einem einzigen Tag unsere kulturelle Vielfalt allein schon nur in der Deutschschweiz zeigt. Innovation und Weltoffenheit, Wille zur politischen Zusammenarbeit und die Begeisterung, sich freiwillig für Kultur einzusetzen.
Es ist schön, die Hoffnung, welche diese Schweiz verströmt, immer wieder zu entdecken und daran mitzuarbeiten.
Bis bald
Moritz Leuenberger





