Miss Schweiz und der Bundesrat
[Version française: Miss Suisse et le Conseil fédéral]

Schon wieder eine neue Miss Schweiz! Wobei ich zugeben muss, dass ich mir den Namen der bisherigen noch gar nicht recht habe merken können. Ich gratuliere Whitney Toyloy ganz herzlich. Sofort werde ich mich danach erkundigen, wie ich ihren Namen richtig aussprechen muss, da ich ihn bis jetzt immer nur lesen konnte. Umgekehrt hat die neue Miss Schweiz ja in aller Öffentlichkeit bekannt: „Ja, ich kenne alle 7 Bundesratsmitglieder beim Namen.“
Zwischen der Miss Schweiz und dem Bundesrat gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Auch der Bundespräsident wird jährlich neu gewählt. Vor allem im Ausland haben viele Politiker Mühe mit unserer Rotation. Kaum haben sie sich an den Schweizerischen Bundespräsidenten oder die Präsidentin gewöhnt, kommt im folgenden Jahr schon ein neuer Name. Eine amerikanische Zeitung hat sogar mal die Schweiz als eine der unstabilsten Nationen bezeichnet, weil wir innert der von ihr untersuchten Zeitspanne von dreissig Jahren dreissig verschiedene Präsidenten hatten….
Es gibt auch Unterschiede. So sind die meisten Missen etwas jünger als die Bundesratsmitglieder. Zudem sind es ausschliesslich Frauen, wobei diese bei der Zusammensetzung des Bundesrates aufgeholt haben. Bereits drei Mitglieder sind Frauen und auch die Bundeskanzlerin.
Auch der Grund der Rotation ist bei den Missen und beim Bundespräsidenten verschieden: Das Bundespräsidium rotiert, damit alle Minderheiten sich abwechslungsweise mit der Präsidentin oder dem Präsidenten identifizieren könne, einmal die Romandie, einmal die Deutschschweiz, in etwas grösseren zeitlichen Abständen auch die italienischsprachige Schweiz und gelegentlich auch die Rätoromanen (zum letzten Mal mit Bundesrat Leon Schlumpf). Einmal ist es ein Vertreter aus einer Stadt, das andere Mal aus den Bergen. Das eine Mal eine Frau, das andere Mal ein Mann, und auch die politische Partei wechselt regelmässig. Der eigentliche Grund der jährlichen Missen-Erneuerung ist dagegen wohl weniger die Identifikation unserer Landesgegenden mit den Schönsten, sondern das Spektakel und die Abwechslung als solche. Es entsteht gelegentlich der Eindruck, eben dieser Drang nach Abwechslung sei der Hintergrund der gegenwärtigen Rufe nach Erneuerung im Bundesrat. Da wage ich schüchtern darauf hinzuweisen, dass eine gewisse Konstanz und Erfahrung in unserem Amt doch auch eine Berechtigung hat. Gerade im Zusammenhang mit der Miss Schweiz habe ich das erfahren. Als ich das erste Mal im Automobilsalon der damaligen Mahara MacKay begegnete, wich ich ihr aus, weil ich nicht indirekt für einen Mercedes, vor dem sie posierte, Reklame machen wollte. Das nahm sie persönlich und war ganz betroffen, was ich gut verstand. Es tat mir sehr leid; das Ganze ist unglücklich abgelaufen. Aber bereits das zweite Mal konnte ich aus der Erfahrung lernen und tauschte mit Lauriane Gilliéron vor einem Hybridauto mediengerecht ökologische Küsslein aus. (Natürlich gibt es noch andere Gebiete, wo politische Erfahrung nützlich ist, wie zum Beispiel letzte Woche an der UNO, als ich zum weltweiten Fonds für die Anpassung an die Klimaveränderung sprach und den Schweizer Vorschlag für eine Finanzierung, die dem Verursacherprinzip folgt, erfolgreich präsentieren konnte.)
Die Bundespolitik und die Miss-Schweiz-Wahlen können gewiss etwas voneinander lernen. So übernahmen die Miss-Schweiz-Wahlen den tieferen Sinn des politischen Rotationsprinzips: Nachdem Kritik laut wurde, dass mehrere Jahre hinweg stets blonde Deutschschweizerinnen gekürt wurden, folgte der Zürcherin Hefti die Waadtländerin Gilliéron und dieser die Tessinerin Rigozzi. In der engsten Auswahl für die Miss 2008 standen auch wieder eine Tessinerin, eine Zürcherin und eine Romande. Diese Berücksichtigung aller Landesteile lernten die Wähler der Miss Schweiz von der Politik.
Umgekehrt kann vielleicht auch die Politik etwas von den Miss Schweiz Wahlen lernen:
Noch nie ist eine Ex-Miss-Schweiz nochmals zur Wahl angetreten.
Bis bald
Moritz Leuenberger

Schon wieder eine neue Miss Schweiz! Wobei ich zugeben muss, dass ich mir den Namen der bisherigen noch gar nicht recht habe merken können. Ich gratuliere Whitney Toyloy ganz herzlich. Sofort werde ich mich danach erkundigen, wie ich ihren Namen richtig aussprechen muss, da ich ihn bis jetzt immer nur lesen konnte. Umgekehrt hat die neue Miss Schweiz ja in aller Öffentlichkeit bekannt: „Ja, ich kenne alle 7 Bundesratsmitglieder beim Namen.“
Zwischen der Miss Schweiz und dem Bundesrat gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Auch der Bundespräsident wird jährlich neu gewählt. Vor allem im Ausland haben viele Politiker Mühe mit unserer Rotation. Kaum haben sie sich an den Schweizerischen Bundespräsidenten oder die Präsidentin gewöhnt, kommt im folgenden Jahr schon ein neuer Name. Eine amerikanische Zeitung hat sogar mal die Schweiz als eine der unstabilsten Nationen bezeichnet, weil wir innert der von ihr untersuchten Zeitspanne von dreissig Jahren dreissig verschiedene Präsidenten hatten….
Es gibt auch Unterschiede. So sind die meisten Missen etwas jünger als die Bundesratsmitglieder. Zudem sind es ausschliesslich Frauen, wobei diese bei der Zusammensetzung des Bundesrates aufgeholt haben. Bereits drei Mitglieder sind Frauen und auch die Bundeskanzlerin.
Auch der Grund der Rotation ist bei den Missen und beim Bundespräsidenten verschieden: Das Bundespräsidium rotiert, damit alle Minderheiten sich abwechslungsweise mit der Präsidentin oder dem Präsidenten identifizieren könne, einmal die Romandie, einmal die Deutschschweiz, in etwas grösseren zeitlichen Abständen auch die italienischsprachige Schweiz und gelegentlich auch die Rätoromanen (zum letzten Mal mit Bundesrat Leon Schlumpf). Einmal ist es ein Vertreter aus einer Stadt, das andere Mal aus den Bergen. Das eine Mal eine Frau, das andere Mal ein Mann, und auch die politische Partei wechselt regelmässig. Der eigentliche Grund der jährlichen Missen-Erneuerung ist dagegen wohl weniger die Identifikation unserer Landesgegenden mit den Schönsten, sondern das Spektakel und die Abwechslung als solche. Es entsteht gelegentlich der Eindruck, eben dieser Drang nach Abwechslung sei der Hintergrund der gegenwärtigen Rufe nach Erneuerung im Bundesrat. Da wage ich schüchtern darauf hinzuweisen, dass eine gewisse Konstanz und Erfahrung in unserem Amt doch auch eine Berechtigung hat. Gerade im Zusammenhang mit der Miss Schweiz habe ich das erfahren. Als ich das erste Mal im Automobilsalon der damaligen Mahara MacKay begegnete, wich ich ihr aus, weil ich nicht indirekt für einen Mercedes, vor dem sie posierte, Reklame machen wollte. Das nahm sie persönlich und war ganz betroffen, was ich gut verstand. Es tat mir sehr leid; das Ganze ist unglücklich abgelaufen. Aber bereits das zweite Mal konnte ich aus der Erfahrung lernen und tauschte mit Lauriane Gilliéron vor einem Hybridauto mediengerecht ökologische Küsslein aus. (Natürlich gibt es noch andere Gebiete, wo politische Erfahrung nützlich ist, wie zum Beispiel letzte Woche an der UNO, als ich zum weltweiten Fonds für die Anpassung an die Klimaveränderung sprach und den Schweizer Vorschlag für eine Finanzierung, die dem Verursacherprinzip folgt, erfolgreich präsentieren konnte.)
Die Bundespolitik und die Miss-Schweiz-Wahlen können gewiss etwas voneinander lernen. So übernahmen die Miss-Schweiz-Wahlen den tieferen Sinn des politischen Rotationsprinzips: Nachdem Kritik laut wurde, dass mehrere Jahre hinweg stets blonde Deutschschweizerinnen gekürt wurden, folgte der Zürcherin Hefti die Waadtländerin Gilliéron und dieser die Tessinerin Rigozzi. In der engsten Auswahl für die Miss 2008 standen auch wieder eine Tessinerin, eine Zürcherin und eine Romande. Diese Berücksichtigung aller Landesteile lernten die Wähler der Miss Schweiz von der Politik.
Umgekehrt kann vielleicht auch die Politik etwas von den Miss Schweiz Wahlen lernen:
Noch nie ist eine Ex-Miss-Schweiz nochmals zur Wahl angetreten.
Bis bald
Moritz Leuenberger





