1. August Feier auf dem Rütli
[Version française Fêter le 1er août au Grütli]
Obwohl ich zum Kochrezept nichts mehr schreiben wollte, muss ich jetzt doch noch ganz kurz festhalten, was mich freute: Als der Bundesrat sich zu einer Klausur in das Schloss Hünigen in Konolfingen zurückzog, wurde uns Erbsenmousse an Zwiebelschaum serviert (in einem Glas, was auch eine schöne Variante ist). Der Küchenchef und seine Mannschaft haben unseren blog besucht und sofort gehandelt. Wenn nur alles, was ich einleite, eine derart schnellen Erfolg hätte…
Auf den 1. August und die Rütlifeier werde ich auch immer wieder angesprochen und ich erkläre mich gerne dazu:
Lange wurde das Rütli ja mit einem sehr konservativen Patriotismus in Verbindung gebracht. Als ich 2001 Bundespräsident war, lud ich dann Vaclav Havel, den tschechischen Präsidenten auf das Rütli ein. Er hat das angeregt, weil er dem Rütli als der Wiege der Schweizerischen Demokratie seine Reverenz erweisen wollte. Das war ein sehr gelungener Anlass. Beatrice von Matt, Franz Hohler, Adolf Muschg kamen, der SchMaZ sang Lieder, und Vaclav Havel und ich äusserten uns über die Demokratie in der Globalisierung ("Wir müssen das Rütli von heute suchen"). Das Rütli hat auch für mich eine grosse symbolische Bedeutung gewonnen. Das führte dann dazu, dass ich, als ich 2006 das zweite Mal Präsident war, immer wieder gefragt wurde, warum ich denn die 1.-August-Rede nicht auf dem Rütli halte. Ich war der Meinung, und die anderen Mitglieder des Bundesrates teilten sie, dass nicht jedes Jahr der Bundespräsident auf das Rütli gehen sollte. Er oder sie soll den Nationalfeiertag auch in einem Dorf oder Quartier feiern, denn das Rütli hat nicht für alle Menschen in der Schweiz dieselbe Symbolkraft. Die Schweiz lebt ja von der sprachlichen und regionalen Vielfältigkeit, und da soll die Bundesfeier nicht zentralisiert werden.
Das wiederum heisst nicht, dass nicht gelegentlich wieder ein Präsident oder eine Präsidentin am 1. August auf das Rütli gehen will. Das ist dieses Jahr, wie wir unterdessen alle wissen, der Fall. Mit der schönen Idee eines Festes für Frauen und Familien, die der Symbolik der Bundesfeier und des Rütlis eine neue Facette gibt. Wenn jemand – ob Präsidentin oder einfache Bürgerin – eine Feier durchführen wollen, so haben sie das Recht dazu. Unsere Bundesverfassung garantiert immerhin die Meinungsäusserungsfreiheit. Deshalb soll der Rütliverein seine Feier abhalten können, wenn er das will. Für die Sicherheit muss gesorgt werden, der Bund würde seinen Teil dazu beitragen. Was er aber nicht will, ist die Organisation der Feier finanziell unterstützen. Denn es gibt noch Tausend andere 1.-August-Feiern im ganzen Land und das ist ja auch eine schweizerische Tradition. Indem sich die jetzige Bundespräsidentin nicht entmutigen lassen will, gewinnt das Rütli nochmals eine neue Bedeutung.
Bis zum nächsten Mal
Moritz Leuenberger
Obwohl ich zum Kochrezept nichts mehr schreiben wollte, muss ich jetzt doch noch ganz kurz festhalten, was mich freute: Als der Bundesrat sich zu einer Klausur in das Schloss Hünigen in Konolfingen zurückzog, wurde uns Erbsenmousse an Zwiebelschaum serviert (in einem Glas, was auch eine schöne Variante ist). Der Küchenchef und seine Mannschaft haben unseren blog besucht und sofort gehandelt. Wenn nur alles, was ich einleite, eine derart schnellen Erfolg hätte…
Auf den 1. August und die Rütlifeier werde ich auch immer wieder angesprochen und ich erkläre mich gerne dazu:
Lange wurde das Rütli ja mit einem sehr konservativen Patriotismus in Verbindung gebracht. Als ich 2001 Bundespräsident war, lud ich dann Vaclav Havel, den tschechischen Präsidenten auf das Rütli ein. Er hat das angeregt, weil er dem Rütli als der Wiege der Schweizerischen Demokratie seine Reverenz erweisen wollte. Das war ein sehr gelungener Anlass. Beatrice von Matt, Franz Hohler, Adolf Muschg kamen, der SchMaZ sang Lieder, und Vaclav Havel und ich äusserten uns über die Demokratie in der Globalisierung ("Wir müssen das Rütli von heute suchen"). Das Rütli hat auch für mich eine grosse symbolische Bedeutung gewonnen. Das führte dann dazu, dass ich, als ich 2006 das zweite Mal Präsident war, immer wieder gefragt wurde, warum ich denn die 1.-August-Rede nicht auf dem Rütli halte. Ich war der Meinung, und die anderen Mitglieder des Bundesrates teilten sie, dass nicht jedes Jahr der Bundespräsident auf das Rütli gehen sollte. Er oder sie soll den Nationalfeiertag auch in einem Dorf oder Quartier feiern, denn das Rütli hat nicht für alle Menschen in der Schweiz dieselbe Symbolkraft. Die Schweiz lebt ja von der sprachlichen und regionalen Vielfältigkeit, und da soll die Bundesfeier nicht zentralisiert werden.
Das wiederum heisst nicht, dass nicht gelegentlich wieder ein Präsident oder eine Präsidentin am 1. August auf das Rütli gehen will. Das ist dieses Jahr, wie wir unterdessen alle wissen, der Fall. Mit der schönen Idee eines Festes für Frauen und Familien, die der Symbolik der Bundesfeier und des Rütlis eine neue Facette gibt. Wenn jemand – ob Präsidentin oder einfache Bürgerin – eine Feier durchführen wollen, so haben sie das Recht dazu. Unsere Bundesverfassung garantiert immerhin die Meinungsäusserungsfreiheit. Deshalb soll der Rütliverein seine Feier abhalten können, wenn er das will. Für die Sicherheit muss gesorgt werden, der Bund würde seinen Teil dazu beitragen. Was er aber nicht will, ist die Organisation der Feier finanziell unterstützen. Denn es gibt noch Tausend andere 1.-August-Feiern im ganzen Land und das ist ja auch eine schweizerische Tradition. Indem sich die jetzige Bundespräsidentin nicht entmutigen lassen will, gewinnt das Rütli nochmals eine neue Bedeutung.
Bis zum nächsten Mal
Moritz Leuenberger


